Medizinisches Glossar

Hodgkin-Lymphom — Krebs des lymphatischen Systems

Das Hodgkin-Lymphom ist eine seltene Krebserkrankung des Lymphsystems, das einen zentralen Bestandteil des körpereigenen Immunsystems bildet. Es entsteht, wenn weiße Blutkörperchen, sogenannte Lymphozyten, mutieren und sich unkontrolliert vermehren. Gekennzeichnet durch das Vorhandensein auffälliger Zellen, den sogenannten Reed-Sternberg-Zellen, nimmt es typischerweise in Lymphknoten des Halses, des Brustkorbs oder der Achselhöhlen seinen Anfang.

4 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Vereinfacht gesagt ist das Hodgkin-Lymphom eine Form von Blutkrebs, die im Abwehr- und Drainagesystem des Körpers beginnt. Lymphknoten, die normalerweise Flüssigkeiten filtern und bei der Abwehr von Infektionen helfen, schwellen an, weil sich abnorme weiße Blutkörperchen in ihnen anreichern. Betroffene bemerken oft zuerst einen schmerzlosen Knoten am Hals, über dem Schlüsselbein oder in der Achselhöhle. Zudem können unerklärliches Fieber, Nachtschweiß oder ein ungewollter Gewichtsverlust auftreten. Ärztinnen und Ärzte untersuchen Gewebe aus einem vergrößerten Lymphknoten unter dem Mikroskop, um die Diagnose anhand der typischen veränderten Zellen zu sichern.

Das Wichtigste

  • Mikroskopisch charakterisiert durch auffällige, vergrößerte Reed-Sternberg-Zellen.
  • Am häufigsten diagnostiziert bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 39 Jahren sowie bei älteren Erwachsenen über 65 Jahren.
  • Präsentiert sich häufig als schmerzlose Lymphknotenschwellung am Hals oder im Bereich oberhalb des Schlüsselbeins.
  • Das Staging stützt sich maßgeblich auf die Ganzkörper-FDG-PET/CT-Bildgebung.
  • Moderne Behandlungsansätze zielen auf eine Heilung der Erkrankung bei gleichzeitiger Verringerung von Spätfolgen ab.

Definition

Das Hodgkin-Lymphom ist eine spezifische hämatologische Neoplasie, die innerhalb des Lymphgefäßsystems entsteht. Im Gegensatz zu Non-Hodgkin-Lymphomen ist das klassische Hodgkin-Lymphom biologisch durch das Vorhandensein von Reed-Sternberg-Zellen definiert – riesige, mehrkernige B-Lymphozyten, die von einem ausgeprägten entzündlichen Begleitinfiltrat umgeben sind. Es wird grob in das klassische Hodgkin-Lymphom, das rund fünfundneunzig Prozent der Fälle ausmacht, und das noduläre lymphozytenprädominante Hodgkin-Lymphom unterteilt, einen selteneren und typischerweise indolenten Subtyp.

Wenn sich die veränderten Lymphozyten ansammeln, führen sie zu einer Vergrößerung der Lymphknoten und können sich schließlich über die Lymphbahnen auf benachbarte oder entfernte Lymphknotenstationen ausbreiten. In fortgeschrittenen Stadien können bösartige Zellen nicht-lymphatische Organe wie Milz, Leber, Knochenmark oder Lunge infiltrieren, was die normale Organfunktion beeinträchtigt und ein rasches systemisches Eingreifen erfordert.

Warum es wichtig ist

Das Verständnis einer Hodgkin-Lymphom-Diagnose ermöglicht es Patientinnen, Patienten und ihren Familien, die Behandlungsschritte mit Klarheit zu bewältigen. Stadieneinteilung und Subtyp-Klassifikation bestimmen, ob die Therapie aus einer feldbegrenzten Strahlentherapie, einer Kombinationstherapie mit Zytostatika oder neueren zielgerichteten Ansätzen bestehen sollte. Da das Hodgkin-Lymphom sehr gut auf moderne medizinische Therapien anspricht, hilft eine präzise Stadieneinteilung den Onkologen, wirksame Behandlungsschemata auszuwählen und gleichzeitig langfristige Toxizitäten zu minimieren. Ein fundiertes Wissen über die Erkrankung bestärkt Betroffene darin, ihre Symptome zu beobachten, den Erhalt der Fruchtbarkeit frühzeitig zu besprechen und wichtige Nachsorgeprotokolle verlässlich einzuhalten.

Verwandte Biomarker und Tests

Die definitive Diagnose erfordert eine Exzisions- oder Stanzbiopsie eines Lymphknotens, um Reed-Sternberg-Zellen mittels Immunhistochemie nachzuweisen. Typische Marker umfassen eine Positivität für CD30 und CD15, während CD20 bei klassischen Fällen meist negativ oder variabel ist. Die Stadieneinteilung erfolgt mittels Fluordesoxyglukose-Positronenemissionstomographie in Kombination mit Computertomographie (FDG-PET/CT). Blutuntersuchungen, einschließlich großem Blutbild, Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie Leber- und Nierenwerten, beurteilen die systemische Beteiligung.

Verwandte Krebsarten

Das Hodgkin-Lymphom ist selbst eine eigenständige hämatologische Krebserkrankung. Es handelt sich nicht um einen epithelialen Tumor oder ein solides Karzinom. Seine Behandlung erfordert jedoch die klare Abgrenzung von Non-Hodgkin-Lymphomen, Leukämien und metastasierten soliden Tumoren, die in Lymphknoten streuen, wie etwa Kopf-Hals-Karzinome oder Brustkrebs. Da frühere Behandlungen zudem manchmal das Risiko für Zweittumoren erhöhen können, erfordert die langfristige Nachsorge eine anhaltende Wachsamkeit gegenüber sekundären soliden Neoplasien.

Verwandte Behandlungen

Die Therapie richtet sich nach dem anatomischen Stadium und prognostischen Risikofaktoren. Günstige Frühstadien sprechen oft auf eine verkürzte Chemotherapie in Kombination mit einer Bestrahlung der befallenen Regionen (Involved-Site-Radiotherapie) an. Fortgeschrittene Stadien erfordern in der Regel Polychemotherapie-Regime. Zielgerichtete Therapeutika wie Brentuximab vedotin (ein gegen CD30 gerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat) und Immun-Checkpoint-Inhibitoren (PD-1-Blocker) werden in der Erstlinie oder im Rezidiv eingesetzt, um die Krankheitskontrolle zu verbessern.

Häufige Fragen

Was sind die typischen B-Symptome beim Hodgkin-Lymphom?

B-Symptome bezeichnen einen Dreiklang systemischer Beschwerden: durchnässender Nachtschweiß, unerklärliches Fieber über 38 Grad Celsius und ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts innerhalb von sechs Monaten. Ihr Vorhandensein weist auf eine systemische Entzündungsreaktion hin und fließt direkt in die klinische Stadieneinteilung und Therapieplanung ein.

Wie unterscheidet sich das Hodgkin-Lymphom vom Non-Hodgkin-Lymphom?

Der Hauptunterschied liegt im mikroskopischen Erscheinungsbild der Krebszellen. Das Hodgkin-Lymphom weist charakteristische Reed-Sternberg-Zellen auf und breitet sich typischerweise geordnet und kontinuierlich von einer Lymphknotengruppe zur nächsten aus. Non-Hodgkin-Lymphome umfassen eine breitere, heterogenere Gruppe von Lymphozyten-Krebserkrankungen, denen diese spezifischen Zellen fehlen.

Kann die Behandlung die spätere Fruchtbarkeit beeinträchtigen?

Bestimmte Chemotherapeutika und eine Bestrahlung des Beckens können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Da das Hodgkin-Lymphom häufig bei jungen Erwachsenen auftritt, besprechen Onkologinnen und Onkologen vor Beginn jeder Behandlung Möglichkeiten zum Erhalt der Fertilität – wie etwa das Einfrieren von Spermien, Eizellen oder Embryonen –, um die persönliche Familienplanung bestmöglich zu schützen.

Quellen

  1. 1.Hodgkin-Lymphom bei Erwachsenen – Behandlung (PDQ®)National Cancer Institute
  2. 2.Hodgkin-Lymphom: Leitfaden für Patientinnen und PatientenEuropean Society for Medical Oncology
  3. 3.Lymphom – Hodgkin: EinführungAmerican Society of Clinical Oncology
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