Einfach erklärt
Anämie bedeutet, dass Ihr Körper nicht genügend rote Blutkörperchen oder Hämoglobin hat, um lebenswichtigen Sauerstoff zu Ihren Organen und Muskeln zu transportieren. Erhält das Gewebe weniger Sauerstoff, fühlen Sie sich möglicherweise ungewohnt müde, schwindelig, frieren leicht oder geraten schon bei geringer Belastung außer Atem. Eine Anämie kann direkt durch den Tumor, durch Blutverluste oder als häufige Nebenwirkung von Chemo- und Strahlentherapien entstehen, die die Blutbildung im Knochenmark vorübergehend dämpfen.
Das Wichtigste
- Ausgeprägte Erschöpfung (Fatigue) ist das häufigste Symptom einer krebsbedingten Anämie.
- Sie lässt sich einfach über ein reguläres großes Blutbild feststellen.
- Chronische Entzündungen durch den Tumor können die körpereigenen Eisenspeicher blockieren.
- Zu den Therapiemöglichkeiten gehören Eisengaben, Bluttransfusionen oder blutbildungsfördernde Medikamente.
Definition
Eine Anämie liegt vor, wenn die Masse der zirkulierenden Erythrozyten nicht ausreicht, um den physiologischen Sauerstoffbedarf des peripheren Gewebes zu decken. In der Onkologie wird sie typischerweise über ein Absinken der Hämoglobinkonzentration unter die laborspezifischen Referenzwerte definiert (häufig unter 12,0 g/dl bei Frauen und 13,0 g/dl bei Männern). Dadurch wird der Sauerstofftransport beeinträchtigt, was zu einer zellulären Hypoxie führt.
Die Ursachen einer krebsbedingten Anämie sind vielfältig. Sie kann durch myelosuppressive Chemotherapien oder Bestrahlungen entstehen, die die Hämatopoese im Knochenmark hemmen. Auch chronische Entzündungsprozesse spielen eine entscheidende Rolle: Entzündungszytokine steigern die Hepcidin-Konzentration im Blut, wodurch Eisen in den Speichermakrophagen festgehalten wird und für die funktionelle Erythropoese fehlt. Weitere Einflussfaktoren sind die direkte Knochenmarkinfiltration durch neoplastische Zellen, Nährstoffmängel sowie mikroskopische oder makroskopische Blutungen.
Warum es wichtig ist
Eine Anämie ist eine der Hauptursachen für tumorbedingte Fatigue, die die alltägliche Leistungsfähigkeit, die Selbstständigkeit und die allgemeine Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Unbehandelt belastet eine schwere Anämie das Herz und kann Dosisreduktionen, Therapieverschiebungen oder notfallmäßige Bluttransfusionen erforderlich machen. Werden die Werte der roten Blutkörperchen in einem sicheren Bereich gehalten, können Patientinnen und Patienten ihren Behandlungsplan besser vertragen und einhalten.
Verwandte Biomarker und Tests
Die Diagnose und Überwachung einer Anämie erfolgt routinemäßig über ein großes Blutbild, bei dem Gesamthämoglobin, Hämatokrit und die Erythrozytenindizes bestimmt werden. Zur weiteren Abklärung gehören Eisenparameter wie Serumferritin und die Transferrinsättigung, um einen absoluten oder funktionellen Eisenmangel festzustellen. Die Retikulozytenzahl gibt Aufschluss über die Knochenmarkaktivität, während Nierenwerte die körpereigene Erythropoetin-Produktion widerspiegeln; ergänzend werden Vitamin B12 und Folsäure bestimmt.
Verwandte Krebsarten
Eine Anämie kann prinzipiell bei jeder bösartigen Erkrankung auftreten, ist jedoch besonders verbreitet bei hämatologischen Neoplasien, die im Knochenmark entstehen oder dieses infiltrieren – wie dem multiplen Myelom, myelodysplastischen Syndromen und Leukämien. Häufig ist sie auch bei gastrointestinalen Tumoren wie Kolorektal- oder Magenkarzinomen infolge chronischer, okkulter Blutverluste sowie bei fortgeschrittenem Lungen-, Brust- und Eierstockkrebs unter platinbasierten Chemotherapien.
Verwandte Behandlungen
Die Behandlung der Anämie richtet sich nach dem Schweregrad, der Ursache und den Symptomen der Betroffenen. Leichte Formen werden engmaschig beobachtet, während ein Eisenmangel mit oralen oder intravenösen Eisenpräparaten ausgeglichen wird. Bei ausgeprägter oder symptomatischer Anämie sorgen Erythrozytenkonzentrate für eine rasche Entlastung. In bestimmten Fällen werden Erythropoese-stimulierende Substanzen nach strengen Richtlinien verabreicht, um die Blutbildung anzuregen und gleichzeitig thrombotische Risiken zu vermeiden.
Häufige Fragen
Warum führt eine Krebsbehandlung zu einer Anämie?
Chemotherapie und Strahlentherapie zielen auf Zellen ab, die sich rasch teilen. Da sich auch die blutbildenden Stammzellen im Knochenmark schnell vermehren, wird die Blutbildung durch diese Therapien vorübergehend gehemmt. Da alte rote Blutkörperchen mit der Zeit abgebaut werden, kann der Körper sie nicht schnell genug ersetzen – es entsteht eine Anämie.
Kann ich eine krebsbedingte Anämie allein durch eisenhaltige Ernährung beheben?
Eine Ernährungsumstellung allein reicht in der Regel nicht aus. Bei einer Krebserkrankung verhindern Entzündungsprozesse oft, dass der Körper Eisen aus der Nahrung richtig aufnimmt und verwertet. Ist die Anämie durch eine Knochenmarkhemmung oder eine chronische Entzündung bedingt, verordnet Ihr Behandlungsteam gezielte Maßnahmen wie intravenöses Eisen, Medikamente oder Bluttransfusionen.
Wann wird bei einer Anämie eine Bluttransfusion notwendig?
Transfusionen kommen meist bei einer ausgeprägten Anämie zum Einsatz (häufig, wenn das Hämoglobin unter 7 bis 8 g/dl fällt) oder wenn akut belastende Beschwerden wie Brustschmerzen, ausgeprägte Atemnot oder starker Schwindel auftreten. Sie lindern die Symptome sofort, indem sie die Sauerstofftransportkapazität des Blutes rasch anheben.
Quellen
- 1.Anämie und Krebsbehandlung— National Cancer Institute
- 2.Anämie bei Menschen mit Krebs— American Society of Clinical Oncology
- 3.Behandlung von Anämie und Eisenmangel bei Krebspatienten— European Society for Medical Oncology

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Zuletzt geprüft 1. August 2026
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