Medizinisches Glossar

Xerostomie — Chronische Mundtrockenheit durch Krebstherapien

Xerostomie beschreibt das subjektive Gefühl sowie den klinischen Zustand ausgeprägter Mundtrockenheit, der entsteht, wenn die Speicheldrüsen nicht mehr ausreichend Speichel produzieren. In der Onkologie ist sie eine bekannte Nebenwirkung von Strahlentherapien im Kopf-Hals-Bereich und bestimmten systemischen Behandlungen, die das Sprechen, Schlucken und den Ernährungszustand spürbar beeinträchtigen kann.

3 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Xerostomie ist der medizinische Fachbegriff für schwere, anhaltende Mundtrockenheit. Sie tritt auf, wenn die Speicheldrüsen durch eine Krebsbehandlung geschädigt werden und nicht mehr genug Feuchtigkeit bilden können, um die Mundhöhle angenehm feucht zu halten. Speichel bewirkt jedoch viel mehr, als den Mund nur feucht zu halten: Er hilft beim Kauen, Schlucken, Sprechen und Schmecken und schützt Ihre Zähne vor Karies. Fehlt dieser Schutz, fühlt sich der Mund oft klebrig, wund und trocken an, was alltägliche Dinge wie Essen oder Sprechen sehr beschwerlich machen kann.

Das Wichtigste

  • Definiert als subjektive Mundtrockenheit infolge verminderter Speichelsekretion.
  • Häufige Folge einer Strahlentherapie bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich.
  • Erhöht das Risiko für Karies, Infektionen im Mundraum und Schluckprobleme.
  • Moderne Bestrahlungstechniken zielen darauf ab, die Speicheldrüsen nach Möglichkeit zu schonen.

Definition

Eine Xerostomie entwickelt sich, wenn Krebsbehandlungen das Gewebe der Speicheldrüsen – insbesondere der Ohrspeicheldrüsen, Unterkieferspeicheldrüsen und Unterzungendrüsen – direkt schädigen oder entzünden. Strahlung, die diese Strukturen durchdringt, kann zu akuten Entzündungen, zum Verlust von Drüsenazini und zu fortschreitenden Vernarbungen führen. Die Folge ist eine deutliche Verringerung der Speichelmenge bei gleichzeitig zähflüssigerem Speichel.

Speichel ist unverzichtbar für das gesunde Gleichgewicht im Mundraum: Er befeuchtet die Nahrung, leitet die Kohlenhydratverdauung ein, neutralisiert Säuren und hemmt das Wachstum von Krankheitserregern. Nimmt die Speichelproduktion stark ab, steigt das Risiko für rasanten Kariesbefall, Pilzinfektionen der Mundschleimhaut (Candidose), schmerzhafte Schleimhautdefekte, Geschmacksstörungen (Dysgeusie) und Schluckbeschwerden (Dysphagie).

Warum es wichtig ist

Unzureichend behandelte Mundtrockenheit kann die Lebensqualität während und nach einer Krebstherapie massiv einschränken. Da das Kauen und Schlucken schmerzt oder erschwert ist, essen Betroffene oft weniger, was zu ungewolltem Gewichtsverlust und Mangelernährung führen kann. Zudem sind die Zähne ohne den schützenden Speichelfilm anfällig für rasch fortschreitende Zahnschäden und Zahnfleischentzündungen, weshalb eine vorausschauende Mundgesundheitspflege für das Wohlbefinden unverzichtbar ist.

Verwandte Biomarker und Tests

Die Diagnose erfolgt primär durch die klinische Beurteilung, strukturierte Fragebögen zu Symptomen und die körperliche Untersuchung der Mundschleimhaut. Eine objektive Messung ist mittels Sialometrie möglich, bei der die unstimulierte und stimulierte Speichelflussrate bestimmt wird. Obwohl keine Tumormarker bestimmt werden müssen, gehören zahnärztliche Voruntersuchungen und Panoramaröntgenaufnahmen vor Beginn einer Bestrahlung zum Standard, um gefährdete Zähne rechtzeitig zu behandeln.

Verwandte Krebsarten

Am häufigsten und stärksten ausgeprägt ist die Xerostomie bei Patienten, die eine perkutane Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren erhalten, darunter Tumoren des Oropharynx, Nasopharynx, der Mundhöhle, des Kehlkopfs und der Speicheldrüsen. Sie kann auch bei einer Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs, im Rahmen einer Ganzkörperbestrahlung vor Stammzelltransplantationen sowie unter bestimmten Chemotherapien und Begleitmedikamenten auftreten.

Verwandte Behandlungen

Die Behandlung der Xerostomie verbindet vorbeugende Maßnahmen mit gezielter Linderung der Beschwerden. Moderne Bestrahlungstechniken wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) werden so geplant, dass gesunde Speicheldrüsen bestmöglich geschont werden. Zur aktiven Linderung gehören häufige kleine Schlucke Wasser, Speichelersatzmittel, befeuchtende Mundgele, verschreibungspflichtige Medikamente zur Anregung des Speichelflusses (wie Pilocarpin) sowie eine intensive Kariesprophylaxe mit hochdosierten Fluoridgelen.

Häufige Fragen

Wird sich meine Mundtrockenheit nach Abschluss der Bestrahlung wieder bessern?

Die Erholung hängt von der Strahlendosis ab, die Ihre Speicheldrüsen erhalten haben. Während die akute Entzündung in den Monaten nach der Therapie abklingt, kann ein gewisser Grad an Trockenheit dauerhaft bleiben, wenn Drüsengewebe vernarbt ist. Dennoch kann sich die Speichelproduktion über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren nach Therapieende noch schrittweise verbessern.

Was kann ich im Alltag selbst tun, um die Mundtrockenheit zu lindern?

Trinken Sie regelmäßig kleine Schlucke Wasser, nutzen Sie nachts einen Luftbefeuchter, kauen Sie zuckerfreien Kaugummi mit Xylitol und wenden Sie künstliche Speichelsprays oder Gele an. Vermeiden Sie alkoholhaltige Mundspülungen, stark säurehaltige Speisen, Koffein sowie harte oder krümelige Snacks, da diese die empfindliche Mundschleimhaut zusätzlich reizen und die Trockenheit verstärken können.

Warum ist die Zahnpflege bei einer Xerostomie so wichtig?

Speichel reinigt die Zähne auf natürliche Weise und neutralisiert die von Mundbakterien produzierten Säuren. Fehlt ausreichend Speichel, bildet sich rasch Zahnbelag, was zu beschleunigtem Kariesbefall und Zahnfleischerkrankungen führt. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen und die tägliche Anwendung verschreibungspflichtiger Fluoridpräparate sind daher unverzichtbar, um Ihre Zähne zu schützen.

Quellen

  1. 1.Mundkomplikationen bei Chemotherapie und Kopf-Hals-BestrahlungNational Cancer Institute
  2. 2.Mundtrockenheit (Xerostomie) als NebenwirkungAmerican Society of Clinical Oncology
  3. 3.Kopf-Hals-Tumoren: ESMO Klinische PraxisleitlinienEuropean Society for Medical Oncology
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