Medizinisches Glossar

Stammzelltransplantation — Erneuerung des Knochenmarks

Eine Stammzelltransplantation ist ein intensives medizinisches Verfahren, bei dem erkranktes oder zerstörtes Knochenmark durch gesunde blutbildende Stammzellen ersetzt wird. Sie ermöglicht es Patientinnen und Patienten, nach einer hochdosierten Krebstherapie wieder eine gesunde Blutbildung aufzubauen.

3 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Das Knochenmark ist das schwammartige Gewebe im Inneren der Knochen, das alle Blutzellen produziert. Bestimmte Krebserkrankungen und die hochdosierten Therapien, die zu ihrer Bekämpfung nötig sind, können dieses Knochenmark zerstören. Eine Stammzelltransplantation wirkt wie ein zellulärer Neustart: Nachdem eine intensive Vorbehandlung die erkrankten Zellen beseitigt hat, erhalten Sie gesunde Blutstammzellen über eine Infusion. Diese Zellen wandern in die Knochen, siedeln sich dort an und bauen nach und nach ein neues, funktionierendes Blut- und Immunsystem auf. Je nach Ausgangslage stammen die Zellen aus Ihrem eigenen Körper oder von einer passenden Spenderin oder einem Spender.

Das Wichtigste

  • Ersetzt geschädigtes oder zerstörtes Knochenmark durch gesunde blutbildende Zellen.
  • Autologe Transplantationen nutzen eigene Zellen; allogene Transplantationen nutzen Spenderzellen.
  • Ermöglicht den Einsatz von Hochdosis-Chemotherapien zur Beseitigung hartnäckiger Krebszellen.
  • Erfordert eine intensive Erholungsphase, während die neuen Stammzellen anwachsen.

Definition

Eine hämatopoetische Stammzelltransplantation stellt die Fähigkeit des Organismus wieder her, rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen zu bilden. Das Verfahren beginnt mit einer Konditionierungstherapie, die aus einer Hochdosis-Chemotherapie – teils kombiniert mit einer Ganzkörperbestrahlung – besteht, um verbleibende Krebszellen abzutöten und Raum im Knochenmark zu schaffen.

Im Anschluss an die Konditionierung werden die gewonnenen Blutstammzellen intravenös verabreicht. Sie wandern in die Nischen des Knochenmarks ein und beginnen dort mit dem Anwachsen. Man unterscheidet zwischen autologen Transplantationen (unter Verwendung patienteneigener, zuvor entnommener Stammzellen) und allogenen Transplantationen (unter Verwendung von Zellen einer passenden verwandten oder fremden Spenderperson oder aus Nabelschnurblut).

Warum es wichtig ist

Eine Stammzelltransplantation ermöglicht es, Krebserkrankungen mit sehr hohen, potenziell heilenden Chemotherapiedosen zu behandeln, die das Knochenmark ansonsten irreversibel schädigen würden. Bei einer allogenen Transplantation entfalten die Spenderzellen zudem einen entscheidenden immunologischen Schutz, den sogenannten „Graft-versus-Tumor“-Effekt: Die neuen Immunzellen erkennen verbliebene Krebszellen als fremd und vernichten sie, was das Risiko eines langfristigen Rückfalls deutlich senkt.

Verwandte Biomarker und Tests

Vor einer Transplantation durchlaufen Patientinnen und Patienten umfassende Organfunktionsprüfungen, Kontrolluntersuchungen zur Krankheitsaktivität und Screenings auf Infektionskrankheiten. Bei allogenen Transplantationen ist eine präzise Bestimmung der Gewebemerkmale (HLA-Typisierung) unerlässlich, um Spender- und Empfängermerkmale abzugleichen. Nach der Transplantation überwachen regelmäßige Blutbilder und Chimärismus-Analysen das erfolgreiche Anwachsen der Spenderzellen.

Verwandte Krebsarten

Stammzelltransplantationen werden vor allem bei bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems eingesetzt. Hierzu gehören das multiple Myelom, Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome, die akute myeloische Leukämie (AML), die akute lymphatische Leukämie (ALL), myelodysplastische Syndrome (MDS) sowie bestimmte solide Tumoren im Kindesalter wie das Hochrisiko-Neuroblastom.

Verwandte Behandlungen

Die Transplantation ist in umfassende Behandlungskonzepte eingebunden und dient häufig als Konsolidierungstherapie, nachdem eine vorherige Chemotherapie eine Remission erreicht hat. Allogene Empfängerinnen und Empfänger benötigen im Anschluss immunsuppressive Medikamente (wie Ciclosporin oder Tacrolimus), um einer Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD) vorzubeugen. Während der Phase ausgeprägter Knochenmarkshemmung werden vorsorglich antimikrobielle Medikamente verabreicht.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer autologen und einer allogenen Transplantation?

Bei einer autologen Transplantation werden Ihre eigenen Stammzellen vor Beginn der Hochdosis-Chemotherapie entnommen, eingefroren und später wieder übertragen. Bei einer allogenen Transplantation stammen die Stammzellen von einer passenden Spenderin oder einem Spender; hierbei entsteht ein neues Immunsystem, das zusätzlich bei der Bekämpfung der Krebserkrankung hilft.

Was bedeutet das Anwachsen der Stammzellen (Engraftment)?

Das Engraftment bezeichnet den Moment, in dem sich die übertragenen Stammzellen erfolgreich im Knochenmark angesiedelt haben und beginnen, wieder normale weiße Blutkörperchen, rote Blutkörperchen und Blutplättchen zu produzieren. Dieser Prozess dauert in der Regel zwei bis vier Wochen.

Was ist eine Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD)?

Die Graft-versus-Host-Erkrankung (Spender-gegen-Empfänger-Reaktion) ist eine Komplikation, die ausschließlich bei allogenen Transplantationen auftreten kann. Dabei erkennen die Immunzellen des Spenders das gesunde Gewebe des Empfängers als fremd und greifen es an, was sich meist an Haut, Leber und Magen-Darm-Trakt bemerkbar macht.

Quellen

  1. 1.Stammzelltransplantationen in der KrebstherapieNational Cancer Institute
  2. 2.Was ist eine Knochenmarktransplantation (Stammzelltransplantation)?American Society of Clinical Oncology
  3. 3.Leitlinien zur hämatopoetischen StammzelltransplantationEuropean Society for Medical Oncology
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