Medizinisches Glossar

Stereotaktische Körperstrahlentherapie — Gezielte Bestrahlung

Die stereotaktische Körperstrahlentherapie (SBRT), auch stereotaktische ablative Radiotherapie (SABR) genannt, ist ein modernes Bestrahlungsverfahren, bei dem hochdosierte Strahlenbündel millimetergenau auf Ziele außerhalb des Gehirns gerichtet werden. Durch die Bündelung mehrerer Strahlen direkt auf den Tumor können umschriebene Herde in wenigen Behandlungssitzungen hochwirksam zerstört werden, während das angrenzende gesunde Gewebe weitgehend geschont wird.

4 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Stellen Sie sich vor, Sie bündeln sanftes Sonnenlicht mit einer Lupe in einem einzigen, intensiv brennenden Punkt. Nach einem ganz ähnlichen Prinzip arbeitet die SBRT. Anstatt einen breiten Strahl durch den Körper zu senden, treffen viele schwächere Einzelstrahlen aus verschiedenen Winkeln millimetergenau im Tumor aufeinander. Das gesunde Gewebe auf dem Weg dorthin empfängt jeweils nur eine minimale Dosis, während sich die Strahlen im Tumor zu einer zerstörerischen therapeutischen Dosis summieren. Dank dieser extremen Präzision sind weit weniger Krankenhaustermine nötig als bei einer herkömmlichen Bestrahlung, was den Alltag der Betroffenen deutlich entlastet.

Das Wichtigste

  • Verabreicht hohe Strahlendosen in nur 1 bis 5 ambulanten Sitzungen.
  • Schont gesundes Nachbargewebe durch Mehrfeld-Bestrahlung und Bewegungsausgleich.
  • Häufig eingesetzt bei Tumoren von Lunge, Leber, Wirbelsäule und Prostata.
  • Bietet eine nicht-operative Behandlungsalternative für medizinisch komplexe Situationen.

Definition

Die stereotaktische Körperstrahlentherapie nutzt hochentwickelte vierdimensionale Bildgebungsverfahren und computergestützte Zielsysteme, um konzentrierte Dosen ionisierender Strahlung auf Tumoren im Körper abzugeben. Anders als die herkömmliche Strahlentherapie, bei der über mehrere Wochen hinweg täglich kleinere Einzeldosen verabreicht werden, appliziert die SBRT ablative Dosen in typischerweise einer bis fünf ambulanten Sitzungen. Individuell angepasste Lagerungshilfen verhindern dabei ungewollte Bewegungen während der Bestrahlung.

Das System gleicht Atembewegungen und natürliche Organverschiebungen in Echtzeit aus. Durch diese kontinuierliche Bewegungskompensation lässt sich das Bestrahlungsvolumen exakt auf den Tumorrand begrenzen. Der steile Dosisabfall schützt das umliegende gesunde Gewebe vor schädlicher Strahlung und ermöglicht eine sichere Behandlung auch in unmittelbarer Nähe empfindlicher Organe.

Warum es wichtig ist

Die SBRT bietet eine wirksame, gewebeschonende Behandlungsoption für Menschen, für die eine Operation aufgrund von Begleiterkrankungen, eines fortgeschrittenen Alters oder einer schwer zugänglichen Tumorlage zu riskant wäre. Bei Tumoren im Frühstadium oder einer begrenzten Metastasierung (Oligometastasierung) kann die SBRT Herde mit minimalen Ausfallzeiten gezielt ausschalten. Da die gesamte Behandlung in wenigen Sitzungen abgeschlossen ist, verringert sich zudem die organisatorische und emotionale Belastung durch häufige Klinikbesuche erheblich. Das Verständnis der SBRT hilft Patientinnen und Patienten dabei, in multidisziplinären Gesprächen fundiert über schonende Alternativen zu einem operativen Eingriff mitzuentscheiden.

Verwandte Biomarker und Tests

Vor Beginn der SBRT erfolgt eine hochauflösende Bildgebung, beispielsweise mittels vierdimensionaler Computertomographie (4D-CT), Positronen-Emissions-Tomographie (PET-CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Diese Aufnahmen erfassen die genaue Ausdehnung und die atemabhängige Bewegung des Tumors. Zwar benötigt die Bestrahlung selbst keine biologischen Tumormarker, jedoch sind Gewebeproben zur Bestimmung der Histologie und molekularpathologische Tests (wie etwa EGFR- oder KRAS-Mutationen bei Lungenkrebs) unverzichtbar, um die lokale Bestrahlung optimal mit medikamentösen Therapien abzustimmen.

Verwandte Krebsarten

Am häufigsten wird die SBRT bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im Frühstadium eingesetzt, insbesondere wenn ein operativer Eingriff nicht infrage kommt. Sie ist zudem ein etablierter Standard bei primärem Leberkrebs wie dem hepatozellulären Karzinom sowie bei lokal begrenztem Prostatakrebs. Darüber hinaus spielt die SBRT eine zentrale Rolle bei der Behandlung einer oligometastatischen Erkrankung, wenn sich Tochtergeschwülste auf nur wenige Organe wie Lunge, Leber, Nebennieren oder Wirbelsäule beschränken.

Verwandte Behandlungen

Die SBRT dient bei Tumoren im Frühstadium oder bei medizinisch inoperablen Befunden häufig als vollwertige Alternative zur Operation. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen wird sie gezielt mit zielgerichteten Therapien, Immuntherapien oder Chemotherapien kombiniert, um einzelne widerstandsfähige oder langsam wachsende Metastasen auszuschalten. Da sie lokal begrenzt wirkt, beeinträchtigt die SBRT das Immunsystem kaum, sodass systemische Behandlungen meist ohne Unterbrechung fortgeführt werden können. Eine akribische Bestrahlungsplanung und vorbereitende Simulationen stellen dabei sicher, dass die Lagerung bei jeder Sitzung exakt reproduziert wird.

Häufige Fragen

Ist die SBRT eine Operation?

Auch wenn gelegentlich der Begriff Radiochirurgie fällt, erfordert die SBRT weder Schnitte noch Skalpelle oder Narkosen. Es handelt sich um ein rein ambulantes, vollkommen schmerzfreies Bestrahlungsverfahren. Sie liegen entspannt auf einer Liege, während ein Linearbeschleuniger oder Roboterarm die Strahlenbündel präzise aus verschiedenen Winkeln auf den Tumor richtet.

Wie viele Termine sind für eine SBRT erforderlich?

Die meisten SBRT-Konzepte umfassen lediglich ein bis fünf Sitzungen, die sich über ein bis zwei Wochen erstrecken. Dies steht im Gegensatz zur herkömmlichen Bestrahlung, die häufig tägliche Behandlungen über fünf bis acht Wochen erfordert. Der genaue Zeitplan richtet sich nach Größe und Lage des Tumors sowie den umgebenden Organen.

Welche Nebenwirkungen treten nach einer SBRT typischerweise auf?

Die Nebenwirkungen hängen vom bestrahlten Körperbereich ab. Häufige, meist vorübergehende Reaktionen sind leichte Abgeschlagenheit, Hautreizungen oder ein leichtes Ziehen im Zielgebiet. Bei Bestrahlungen der Lunge können vorübergehend Reizhusten oder Missempfindungen im Brustkorb auftreten, bei Behandlungen im Bauchbereich leichte Übelkeit. Dauerhafte Spätfolgen sind dank der millimetergenauen Fokussierung selten.

Quellen

  1. 1.Strahlentherapie bei KrebsNational Cancer Institute
  2. 2.Stereotaktische Strahlentherapie verstehenAmerican Society of Clinical Oncology (Cancer.Net)
  3. 3.ESMO-Leitlinien für die klinische Praxis: StrahlentherapieEuropean Society for Medical Oncology
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