Medizinisches Glossar

Stoma — Operativ angelegter künstlicher Ausgang

Ein Stoma ist eine chirurgisch geschaffene Öffnung an der Bauchwand, über die Ausscheidungen – Stuhl oder Urin – aus dem Körper geleitet werden. Indem ein Abschnitt des Darms oder der Harnwege durch die Bauchdecke nach außen geführt wird, sichert das Stoma den Weg für Ausscheidungen, wenn der natürliche Weg durch Krankheit oder eine Operation versperrt ist.

4 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Ein Stoma ist wie eine neue, sichere Pforte an Ihrer Bauchdecke, durch die Ausscheidungen den Körper verlassen können. Wenn Teile des Verdauungs- oder Harntrakts aufgrund einer Krebserkrankung entfernt oder entlastet werden müssen, braucht der Körper einen alternativen Weg. Die Chirurgin oder der Chirurg führt dazu vorsichtig eine gesunde Darmschlinge durch die Bauchwand und stülpt sie sanft wie eine kleine Manschette um. Auf der umgebenden Haut haftet ein Beutel, der alles geruchs- und feuchtigkeitsdicht auffängt. Auch wenn die Umstellung anfangs etwas Eingewöhnung erfordert: Moderne Stomasysteme sind unauffällig, sicher und wasserfest.

Das Wichtigste

  • Operativ angelegte Öffnung an der Bauchwand zur Ableitung von Stuhl oder Urin.
  • Kann vorübergehend zum Schutz der Heilung oder dauerhaft nach Organentfernung angelegt werden.
  • Besitzt keine Schmerznerven, sodass Berührungen schmerzfrei sind.
  • Spezialisierte Stomatherapeuten schulen und begleiten Betroffene praxisnah.

Definition

Ein Stoma ist eine künstliche Körperöffnung, die Ausscheidungen in ein spezielles äußeres Beutelsystem ableitet. Je nach medizinischer Notwendigkeit wird ein Stoma aus dem Dünndarm (Ileostoma), dem Dickdarm (Kolostoma) oder aus einem isolierten Darmstück zur Harnableitung (Urostoma) gebildet. Ein Stoma ist in der Regel rund oder oval, fühlt sich feucht und warm an und hat eine dunkelrosa bis rote Farbe, ähnlich der Mundschleimhaut.

Das Stoma selbst besitzt keine Schmerzrezeptoren; Berührungen oder das Entleeren tun daher nicht weh. Es kann vorübergehend (temporär) oder dauerhaft (permanent) angelegt werden. Ein temporäres Stoma schützt eine neu genähte Darmverbindung (Anastomose) während der ersten Monate der Wundheilung, während ein permanentes Stoma erforderlich ist, wenn Mastdarm oder Harnblase vollständig entfernt werden mussten.

Warum es wichtig ist

Die Nachricht, dass eine Krebstherapie ein Stoma erfordert, löst verständlicherweise oft Ängste hinsichtlich der eigenen Selbstständigkeit, des Körperbildes und des gewohnten Lebensstils aus. Ein Stoma ist jedoch oft lebensrettend: Es ermöglicht die vollständige Entfernung des Tumors und schützt vor schwerwiegenden Komplikationen wie inneren Undichtigkeiten oder einer Blutvergiftung. Speziell ausgebildete Stomapflegekräfte begleiten Betroffene vor und nach dem Eingriff engmaschig. Mit professioneller Anleitung, modernen Hilfsmitteln und kontinuierlicher Unterstützung gewinnen die meisten Menschen rasch ihre Sicherheit zurück – und können wieder Sport treiben, arbeiten, reisen und ihr Privatleben unbeschwert genießen.

Verwandte Biomarker und Tests

Ein Stoma selbst ist kein Befund aus Labortests, sondern das Resultat eines operativen Eingriffs. Zur vorbereitenden Diagnostik gehören Darmspiegelungen (Koloskopien), MRT-Untersuchungen des Beckens und CT-Scans, um die Tumorausbreitung zu beurteilen und die Notwendigkeit des Stomas festzulegen. Vor der Operation markiert eine Stomapflegekraft gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten im Sitzen, Stehen und Liegen die optimale Position auf dem Bauch, damit der Beutel später optimal haftet und im Alltag nicht stört.

Verwandte Krebsarten

Stomata werden besonders häufig im Rahmen von Operationen bei Darmkrebs angelegt, vor allem bei Tumoren im unteren Mastdarm oder Analkanal, die eine tiefe anteriore Rektumresektion oder eine Rektumamputation erfordern. Sie sind zudem Standard nach einer radikalen Zystektomie bei fortgeschrittenem Blasenkrebs, bei der über ein Dünndarmstück (Ileum-Conduit) ein Urostoma geformt wird. Auch bei fortgeschrittenen gynäkologischen Tumoren (etwa bei Rückfällen von Eierstock- oder Gebärmutterhalskrebs) und ausgedehnten Beckenoperationen (Exenterationen) kommen Stomata zum Einsatz.

Verwandte Behandlungen

Ein vorübergehendes Stoma schützt empfindliche Darmnähte, sodass diese auch unter laufender Chemotherapie oder Beckenbestrahlung sicher und ohne Kontakt mit Stuhl ausheilen können. Im Notfall kann ein Entlastungsstoma einen lebensbedrohlichen Darmverschluss bei fortgeschrittenen Tumoren rasch beheben. Ist die Heilung nach Abschluss der Therapien abgeschlossen, kann ein temporäres Stoma oft in einem Folgeeingriff wieder zurückverlegt werden. Die Nachsorge umfasst regelmäßige Stomaberatung, die Pflege der Haut um das Stoma, Ernährungsberatung sowie die zuverlässige Versorgung mit passenden Hilfsmitteln.

Häufige Fragen

Können andere Menschen sehen oder riechen, dass ich ein Stoma trage?

Nein. Moderne Stomaversorgungen sind sehr flach und zeichnen sich unter gewöhnlicher Kleidung nicht ab. Integrierte Aktivkohlefilter neutralisieren Gase kontinuierlich und schließen Gerüche zuverlässig ein. Wenn Sie es nicht selbst erzählen möchten, bleibt Ihre Stomaversorgung für Arbeitskollegen, Freunde und Außenstehende unsichtbar.

Schränkt mich ein Stoma bei körperlichen Aktivitäten ein?

Sobald die Operationswunde vollständig verheilt ist, steht einem aktiven Leben nichts im Weg. Menschen mit Stoma gehen schwimmen, treiben Sport, reisen und führen ein erfülltes Intimleben. Spezielle Stomagürtel oder wasserfeste Schutzabdeckungen bieten beim Sport und Baden zusätzliche Sicherheit.

Bleibt ein Stoma immer dauerhaft?

Nicht unbedingt. Viele Stomata sind vorübergehend angelegt, um eine empfindliche Darmnaht über einige Monate zu schonen oder eine Engstelle während der Krebstherapie zu umgehen. Sobald Untersuchungen zeigen, dass die Verbindungsstelle gut verheilt ist, kann das Stoma in einem kleineren Folgeeingriff meist zurückverlegt und der normale Verdauungsweg wiederhergestellt werden.

Quellen

  1. 1.Stoma: Was Sie erwartetAmerican Society of Clinical Oncology (Cancer.Net)
  2. 2.Chirurgische KrebstherapieNational Cancer Institute
  3. 3.Krebs: Chirurgie und multimodale VersorgungWorld Health Organization
GetOnco

GetOnco AI fragen

Erhalten Sie persönliche Antworten zu „Stoma — Operativ angelegter künstlicher Ausgang“ von Ihrem KI-Koordinator für Krebsversorgung.

GetOnco AI liefert Informationen zu Bildungszwecken und ersetzt niemals den Rat Ihres Behandlungsteams.

Verwandte Themen

Alle Artikel zu Medizinisches GlossarWeitere Kategorien
Medizinisch geprüft von:GetOnco Medical Review Team — Oncology-trained clinicians and medical editors

Zuletzt geprüft 1. August 2026

Medizinischer Hinweis

Ausschließlich zu Bildungszwecken. GetOnco ist Software und kein medizinischer Leistungserbringer; es stellt keine Diagnosen und empfiehlt keine Behandlungen. Besprechen Sie Ihre Situation immer mit qualifizierten Fachpersonen.