Medizinisches Glossar

Aromatasehemmer — Hormontherapie bei Brustkrebs

Ein Aromatasehemmer ist ein zielgerichtetes hormonelles Medikament, das vor allem zur Behandlung von hormonrezeptorpositivem Brustkrebs bei Frauen nach den Wechseljahren (postmenopausal) eingesetzt wird. Durch die Blockade des Enzyms Aromatase senken diese Arzneimittel den Östrogenspiegel im Blut drastisch und entziehen den hormonsensiblen Krebszellen damit den Treibstoff, den sie zum Wachsen und Teilen benötigen.

3 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Manche Brustkrebserkrankungen benötigen das Hormon Östrogen, um zu wachsen. Nach den Wechseljahren bildet Ihr Körper weiterhin kleine Mengen Östrogen, indem er im Fettgewebe mithilfe eines Enzyms namens Aromatase andere Hormone in Östrogen umwandelt. Aromatasehemmer wirken, indem sie dieses Enzym abschalten. Ohne die Aromatase kann der Körper dieses Östrogen nicht herstellen, wodurch den Krebszellen das Signal zur Teilung entzogen wird. Diese täglichen Tabletten sind ein zentraler Pfeiler für den langfristigen Schutz vor einem Rückfall des Brustkrebses.

Das Wichtigste

  • Aromatasehemmer sind ausschließlich bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs wirksam.
  • Die drei standardmäßig eingesetzten Aromatasehemmer sind Anastrozol, Letrozol und Exemestan.
  • Da sie den Östrogenspiegel senken, zählen Gelenkschmerzen und eine verminderte Knochendichte zu den häufigen Nebenwirkungen.
  • Prämenopausale Frauen benötigen eine Unterdrückung der Eierstockfunktion, bevor sie diese Medikamente sicher einnehmen können.

Definition

Aromatasehemmer sind eine Klasse endokriner Therapeutika, welche die körpereigene Östrogenbiosynthese unterdrücken. Nach den Wechseljahren stellen die Eierstöcke die Östrogenproduktion ein, sodass peripheres Gewebe – wie Fettgewebe, Muskeln und das Gehirn – zur Hauptquelle für Östrogene wird. In diesen Geweben wandelt das Cytochrom-P450-Aromatase-Enzym zirkulierende Androgene aus den Nebennieren in Östron und Östradiol um.

Aromatasehemmer binden an dieses Enzym und inaktivieren es, wodurch die Östrogenkonzentration im Blutplasma um bis zu 95 Prozent gesenkt werden kann. Sie werden in zwei unterschiedliche Gruppen unterteilt: nicht-steroidale Inhibitoren (wie Anastrozol und Letrozol), die reversibel an die Hämgruppe des Enzyms binden, und steroidale Inaktivatoren (wie Exemestan), die irreversibel als Substratanaloga binden.

Warum es wichtig ist

Bei Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs verringern Aromatasehemmer das Risiko eines Tumorrückfalls erheblich und verlängern das Gesamtüberleben. Sie werden üblicherweise über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren im Anschluss an eine Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie eingenommen. Die Entscheidung für eine Therapie mit einem Aromatasehemmer und die zuverlässige Einnahme sind zentrale Schritte, die einen nachhaltigen Schutz vor Metastasen bieten.

Verwandte Biomarker und Tests

Vor Beginn einer Therapie mit einem Aromatasehemmer muss das Tumorgewebe immunhistochemisch untersucht werden, um zu bestätigen, dass es Östrogenrezeptoren (ER) und Progesteronrezeptoren (PR) aufweist. Vor Beginn der Therapie sind Basismessungen der Knochendichte (DEXA-Scan) sowie routinemäßige Blutfettanalysen unerlässlich, da der verringerte Östrogenspiegel den Knochenabbau beschleunigen und die kardiovaskulären Risikomarker verändern kann.

Verwandte Krebsarten

Aromatasehemmer sind speziell für Östrogenrezeptor-positive (ER+) und Progesteronrezeptor-positive (PR+) Brustkrebserkrankungen zugelassen. Sie stellen den Therapiestandard für postmenopausale Frauen dar und können auch bei prämenopausalen Frauen angewendet werden, wenn sie mit einer medikamentösen Ausschaltung der Eierstockfunktion kombiniert werden, beispielsweise durch LHRH-Agonisten.

Verwandte Behandlungen

Aromatasehemmer werden als adjuvante Therapie nach der Operation zur Vorbeugung von Rückfällen, als neoadjuvante Therapie zur Verkleinerung des Tumors vor dem Eingriff oder als Erstlinienbehandlung bei metastasierter, ER-positiver Erkrankung eingesetzt. Im fortgeschrittenen Stadium werden sie häufig mit CDK4/6-Inhibitoren oder zielgerichteten PI3K-Signalweginhibitoren kombiniert, um die Wirksamkeit zu steigern und endokrine Resistenzen zu überwinden.

Häufige Fragen

Wie unterscheiden sich Aromatasehemmer von Tamoxifen?

Tamoxifen besetzt die Östrogenrezeptoren auf den Brustzellen und verhindert so, dass sich Östrogen anlagern kann. Aromatasehemmer wirken anders: Sie stoppen die körpereigene Produktion von Östrogen vollständig. Bei Frauen nach den Wechseljahren schützen Aromatasehemmer oft wirksamer vor einem Wiederauftreten von Brustkrebs als Tamoxifen.

Wie kann ich Gelenksteifigkeit lindern, während ich einen Aromatasehemmer einnehme?

Gelenksteifigkeit tritt häufig auf. Sanfte Bewegung mit Eigengewicht, regelmäßiges Spazierengehen und ausreichende Flüssigkeitszufuhr verschaffen oft Linderung. Sollten die Beschwerden anhalten, kann Ihr Arzt leichte Schmerzmittel oder Physiotherapie empfehlen oder auf einen anderen Aromatasehemmer umstellen, da die individuelle Verträglichkeit von Präparat zu Präparat variieren kann.

Muss ich mir während der Einnahme dieser Medikamente Sorgen wegen Osteoporose machen?

Da Östrogen die Knochenfestigkeit schützt, kann das Absenken des Hormonspiegels zu Knochenschwund führen. Ihr Behandlungsteam wird Ihre Knochengesundheit durch regelmäßige DEXA-Scans überwachen und gegebenenfalls Calcium- und Vitamin-D-Präparate empfehlen oder knochenstärkende Medikamente wie Bisphosphonate verordnen.

Quellen

  1. 1.Aromatasehemmer bei BrustkrebsASCO
  2. 2.Hormontherapie bei BrustkrebsNCI
  3. 3.Früher Brustkrebs: Klinische Praxisleitlinien der ESMOESMO
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Zuletzt geprüft 1. August 2026

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