Medizinisches Glossar

Gelbsucht — Gelbfärbung von Haut und Augen bei Krebs

Eine Gelbsucht (medizinisch Ikterus) ist ein klinischer Zustand, der durch eine Gelbfärbung der Haut und des Weißen im Auge (Sklera) gekennzeichnet ist. In der Onkologie handelt es sich dabei nicht um eine eigenständige Krebserkrankung, sondern um ein sichtbares Symptom, das meist auf eine Störung bei der Bildung, dem Abbau oder dem Abfluss der Gallenflüssigkeit aus der Leber und den Gallenwegen hinweist.

3 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Beim Abbau alter roter Blutkörperchen entsteht im Körper ein gelber Farbstoff namens Bilirubin. Normalerweise filtert die Leber diesen Stoff heraus und leitet ihn über feine Abflusskanäle – die Gallenwege – in den Darm. Wenn ein Tumor diese Gänge blockiert oder die Leber durch Krebs geschädigt ist, staut sich das Bilirubin im Blut zurück. Dadurch verfärben sich die Augen und die Haut gelb, der Urin wird dunkel und der Stuhl auffallend hell oder entfärbt.

Das Wichtigste

  • Ein Ikterus entsteht durch eine Ansammlung von Bilirubin im Blut und im Körpergewebe.
  • Häufige Begleitsymptome sind dunkler, teefarbener Urin und heller, entfärbter Stuhl.
  • Oft liegt die Ursache in einem Tumor, der die ableitenden Gallenwege mechanisch einengt.
  • Die Einlage eines Gallenwegsstents ist häufig erforderlich, um die Leberwerte vor einer Chemotherapie zu normalisieren.

Definition

Zu einer Gelbsucht kommt es, wenn sich übermäßige Mengen an Bilirubin – ein gelblicher Gallenfarbstoff, der beim normalen Abbau roter Blutkörperchen entsteht – im Blut anreichern und sich im Körpergewebe ablagern. Bei gesunder Organfunktion nimmt die Leber Bilirubin aus dem Blut auf, konjugiert es und scheidet es über die Gallenwege in den Dünndarm aus, wo es die Verdauung unterstützt.

Bei Krebserkrankungen entsteht ein Ikterus meist durch eine mechanische Verlegung oder eine Einschränkung der Leberfunktion. Tumoren im Kopf der Bauchspeicheldrüse, in den Gallengängen oder in benachbarten Lymphknoten können die Gallenwege von außen oder innen einengen und so den Abfluss der Galle behindern. Ebenso kann ein ausgeprägter Tumorbefall des Leberparenchyms dazu führen, dass das Organ Bilirubin nicht mehr ausreichend verstoffwechseln kann.

Warum es wichtig ist

Eine Gelbsucht erfordert eine rasche ärztliche Abklärung, da die Ansammlung von Gallensalzen und Bilirubin zu Beschwerden wie quälendem Juckreiz (Pruritus), Verdauungsproblemen und einem erhöhten Risiko für schwere Gallenwegsentzündungen (Cholangitis) führen kann. Zudem zeigen erhöhte Bilirubinwerte eine erhebliche Belastung der Leber an. Dies hindert das Behandlungsteam oft daran, systemische Krebstherapien sicher zu verabreichen, bis die Blockade behoben und eine stabile Leberfunktion wiederhergestellt ist.

Verwandte Biomarker und Tests

Blutuntersuchungen – insbesondere Leberwerte wie das Gesamt- und konjugierte Bilirubin, die alkalische Phosphatase sowie die Transaminasen – geben Aufschluss über das Ausmaß der Störung. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall des Bauchraums, kontrastmittelgestützte CT oder eine Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP) werden eingesetzt, um das Gallengangssystem detailliert darzustellen und die genaue Ursache des Abflusshindernisses zu lokalisieren.

Verwandte Krebsarten

Ein Ikterus tritt besonders häufig beim Adenokarzinom des Pankreas auf, vor allem bei Tumoren im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkopfes. Regelmäßig wird er auch bei Gallengangskrebs (Cholangiokarzinom), Gallenblasenkrebs, primärem Leberzellkarzinom sowie bei Patientinnen und Patienten mit ausgeprägten Lebermetastasen infolge von Darm-, Brust- oder Lungenkrebs beobachtet.

Verwandte Behandlungen

Die Behebung der Gelbsucht hat oberste Priorität, bevor eine systemische Chemotherapie begonnen oder fortgesetzt werden kann. Interventionelle Eingriffe wie die endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) oder die perkutane transhepatische Cholangiographie (PTC) kommen routinemäßig zum Einsatz, um ein flexibles Röhrchen aus Kunststoff oder Metall (Stent) in den verengten Bereich einzubringen und den Gallenfluss in den Darm wiederherzustellen.

Häufige Fragen

Was sollte ich tun, wenn ich eine Gelbfärbung meiner Augen oder Haut bemerke?

Sie sollten sich umgehend an Ihr onkologisches Behandlungsteam wenden. Eine Gelbsucht kann rasch zu Komplikationen wie Infektionen der Gallenwege oder einer Verschlechterung der Leberfunktion führen, was gefährlich sein und Ihre Krebsbehandlung unterbrechen kann. Eine zeitnahe ärztliche Abklärung ist unerlässlich.

Lässt sich die Gelbsucht auch ohne direkte Behandlung des Tumors beheben?

Ja, die mechanische Ursache lässt sich häufig rein symptomatisch entlasten. Ärztinnen und Ärzte platzieren mithilfe endoskopischer oder radiologischer Techniken ein kleines Röhrchen (einen Stent) im verengten Gallengang. Dadurch wird das Hindernis überbrückt und die Gallenflüssigkeit kann wieder ungehindert abfließen.

Warum verursacht eine Gelbsucht oft starken Juckreiz?

Wenn die Galle nicht mehr regulär in den Darm abfließen kann, sammeln sich Gallensalze und verwandte Substanzen im Blutkreislauf an und lagern sich in der Haut ab. Dies reizt die Nervenendigungen und führt zu einem ausgeprägten Juckreiz, der meist nachlässt, sobald der Gallenabfluss wiederhergestellt ist.

Quellen

  1. 1.Hepatobiliäre Symptome und ZNS-Symptome bei ErwachsenenNational Cancer Institute
  2. 2.Gelbsucht und Anzeichen von BauchspeicheldrüsenkrebsAmerican Society of Clinical Oncology
  3. 3.Gallengangserkrankungen und onkologisches ManagementEuropean Society for Medical Oncology
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