Medizinisches Glossar

Next-Generation-Sequencing — Hochdurchsatz-DNA-Sequenzierung

Next-Generation-Sequencing, oft mit NGS abgekürzt, ist eine moderne Labortechnologie, die zahlreiche Gene gleichzeitig analysiert. Anstatt einzelne Veränderungen nacheinander zu prüfen, entschlüsselt sie rasch lange Abschnitte des Erbguts aus einer Gewebe- oder Blutprobe. Dieses umfassende molekulare Profil hilft Onkologinnen und Onkologen dabei, spezifische Veränderungen zu identifizieren, die das Krebswachstum antreiben, und passgenaue zielgerichtete Therapien für Ihren Tumor auszuwählen.

3 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Stellen Sie sich den genetischen Code wie ein sehr langes Handbuch vor. Herkömmliche Tests lasen jeweils nur einen einzigen Satz, um nach Tippfehlern zu suchen. Next-Generation-Sequencing funktioniert wie ein digitaler Hochgeschwindigkeitsscanner, der Hunderte von Seiten auf einmal erfasst. Er hebt Schreibfehler, fehlende Absätze oder vertauschte Kapitel im Bauplan Ihres Tumors zügig hervor. Das Aufspüren dieser spezifischen Veränderungen hilft Ihrem Behandlungsteam zu verstehen, wie sich der Tumor verhält, und Medikamente auszuwählen, die genau darauf abgestimmt sind, diese Fehler auszugleichen.

Das Wichtigste

  • Analysiert Hunderte krebsrelevanter Gene gleichzeitig aus einer einzigen Probe.
  • Benötigt Gewebe aus einer Biopsie oder zirkulierende Tumor-DNA aus einer Blutprobe.
  • Die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel zwei bis vier Wochen ab Probeneingang.
  • Identifiziert geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für zielgerichtete Therapien, Immuntherapien und klinische Studien.

Definition

Next-Generation-Sequencing ist eine diagnostische Hochdurchsatz-Plattform, die die genaue Nukleotidsequenz von Millionen von DNA- oder RNA-Molekülen parallel bestimmt. In der Onkologie wird sie eingesetzt, um Tumorproben oder zirkulierende Tumor-DNA auf krankheitsrelevante Veränderungen zu untersuchen – darunter Punktmutationen, Insertionen, Deletionen, Kopienzahlvariationen und strukturelle Umlagerungen über Hunderte krebsrelevanter Gene hinweg.

Durch die gleichzeitige Analyse breiter Genpanels, ganzer Exome oder kompletter Genome liefert das NGS einen umfassenden Überblick über die einzigartige genomische Architektur eines Tumors. Pathologinnen und Pathologen vergleichen die Tumor-DNA-Sequenzen mit standardisierten Referenzgenomen, um klinisch nutzbare Veränderungen zu ermitteln. Dies stützt die Diagnosestellung, präzisiert die Prognose und deckt potenzielle Resistenzmechanismen auf, die das Ansprechen auf eine Therapie beeinflussen könnten.

Warum es wichtig ist

Krebstherapien werden zunehmend auf individuelle genetische Veränderungen statt allein auf den Entstehungsort des Tumors ausgerichtet. NGS kann zielgerichtete Ansatzpunkte aufdecken, die Standardtests möglicherweise übersehen, und Ihnen den Zugang zu passenden zielgerichteten Medikamenten oder klinischen Studien eröffnen. Darüber hinaus kann NGS zeigen, ob ein Tumor erbliche Veränderungen aufweist, was für Familienmitglieder ein wichtiger Hinweis auf den Nutzen einer genetischen Beratung sein kann. Zudem verhindert es den Einsatz von Therapien, die voraussichtlich nicht wirken, wodurch wertvolle Zeit gewonnen und unnötige Nebenwirkungen vermieden werden.

Verwandte Biomarker und Tests

NGS wird an Gewebe durchgeführt, das im Rahmen einer regulären Biopsie oder operativen Tumorentfernung gewonnen und meist in Paraffinwachsblöcken konserviert wurde. Ist Gewebe knapp oder schwer zugänglich, kann über eine einfache Blutentnahme eine Flüssigbiopsie (Liquid Biopsy) erfolgen, um zirkulierende Tumor-DNA zu sequenzieren. Die Ergebnisse liegen in der Regel innerhalb von zwei bis vier Wochen vor, abhängig vom Umfang des untersuchten Genpanels.

Verwandte Krebsarten

NGS wird bei vielen Krebserkrankungen breit eingesetzt – insbesondere beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, bei dem viele therapeutisch nutzbare Zielstrukturen wie EGFR, ALK und ROS1 vorliegen. Es gehört auch beim Kolorektalkarzinom, Ovarialkarzinom, Mammakarzinom, Prostatakarzinom, malignen Melanom und bei gastrointestinalen Stromatumoren zur Routine. Bei seltenen Tumoren oder Krebserkrankungen mit unbekanntem Primärtumor (CUP-Syndrom) wird NGS häufig genutzt, um unerwartete Therapieansatzpunkte zu finden, wenn die Standardoptionen begrenzt sind.

Verwandte Behandlungen

NGS-Ergebnisse steuern unmittelbar die Auswahl zielgerichteter Therapien wie Tyrosinkinase-Inhibitoren oder PARP-Inhibitoren, die auf bestimmte Veränderungen abgestimmt sind. Sie entscheiden auch über die Eignung für Immun-Checkpoint-Inhibitoren, indem Biomarker wie die Mikrosatelliteninstabilität (MSI) und die Tumormutationslast (TMB) bestimmt werden. Werden Mutationen nachgewiesen, die Resistenzen gegen frühere Therapien hervorrufen, kann das Behandlungsteam den Therapieplan frühzeitig anpassen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen NGS und herkömmlichen Gentests?

Herkömmliche Tests wie die Sanger-Sequenzierung oder die Einzelgen-PCR untersuchen jeweils nur einen einzelnen genetischen Marker. NGS prüft Dutzende bis Hunderte Gene gleichzeitig, schont das wertvolle Gewebematerial und liefert mit einer einzigen Untersuchung ein weitaus umfassenderes Bild des molekularen Profils Ihres Tumors.

Garantiert NGS eine zielgerichtete Behandlungsmöglichkeit?

Nicht immer. Zwar weist NGS häufig genetische Veränderungen nach, doch nicht für jede davon gibt es bereits ein zugelassenes zielgerichtetes Medikament oder eine offene klinische Studie. Dennoch liefern die Ergebnisse wertvolle diagnostische und prognostische Hinweise, die die Therapieplanung unterstützen.

Prüft NGS auch auf vererbbare Krebsrisiken?

Das somatische NGS konzentriert sich auf Veränderungen im Tumorgewebe selbst. Manche Befunde können jedoch auf eine vererbbare (Keimbahn-)Veränderung hindeuten. Bei einem solchen Verdacht wird Ihre Onkologin oder Ihr Onkologe eine gezielte Blut- oder Speicheluntersuchung auf Keimbahnmutationen sowie eine humangenetische Beratung empfehlen.

Quellen

  1. 1.Next-Generation-SequencingNational Cancer Institute
  2. 2.Biomarkertests und Präzisionsmedizin verstehenAmerican Society of Clinical Oncology
  3. 3.ESMO-Empfehlungen zum Einsatz von Next-Generation-SequencingEuropean Society for Medical Oncology
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