Medizinisches Glossar

Liquid Biopsy — Bluttest auf Krebs-Biomarker

Eine Liquid Biopsy (Flüssigbiopsie) ist ein minimal-invasiver Test, der an einer Blutprobe oder anderen Körperflüssigkeiten durchgeführt wird, um nach Krebszellen oder Bruchstücken von Tumor-DNA zu suchen. Sie bietet Ärztinnen und Ärzten eine praktische Möglichkeit, die Genetik des Tumors zu untersuchen, ohne dass jedes Mal ein chirurgischer Gewebeeingriff erforderlich ist. Dies hilft dabei, molekulare Veränderungen zu erkennen und die laufende Behandlung optimal zu steuern.

4 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Einfach ausgedrückt ist eine Liquid Biopsy ein unkomplizierter Bluttest, der nach winzigen Spuren sucht, die ein Tumor hinterlässt. Wenn Krebszellen zerfallen, gelangen mikroskopisch kleine Teile ihrer DNA in Ihre Blutbahn. Durch eine gewöhnliche Blutabnahme können Fachleute diese Bruchstücke auffangen und ihren genetischen Bauplan analysieren. So können die Ärztinnen und Ärzte erkennen, welche Mutationen das Krebswachstum antreiben, ohne dass eine Operation oder eine dicke Nadel für eine Gewebeentnahme nötig sind. Dies ermöglicht Ihrem Behandlungsteam einen aktuellen, schonenden Einblick in das, was der Tumor in genau diesem Moment tut.

Das Wichtigste

  • Wird über eine einfache Blutentnahme statt über einen invasiven chirurgischen Eingriff gewonnen.
  • Identifiziert zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA), die in den Blutkreislauf abgegeben wird.
  • Kann molekulare Resistenzmechanismen aufdecken, noch bevor Symptome oder Veränderungen im Scan sichtbar werden.
  • Sehr geringe Mengen an abgegebener Tumor-DNA können übersehen werden, weshalb Gewebebiopsien weiterhin unverzichtbar bleiben.

Definition

Eine Liquid Biopsy ist ein Laborverfahren, das biologische Marker identifiziert, die von Tumoren in den Blutkreislauf oder andere Flüssigkeitskompartimente abgegeben werden. Wenn Krebszellen wachsen, eine Apoptose durchlaufen oder zerfallen, setzen sie winzige Fragmente genetischen Materials frei – sogenannte zellfreie DNA (cfDNA) oder zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) – sowie zirkulierende Tumorzellen (CTCs) und extrazelluläre Vesikel.

Durch die Analyse dieser zirkulierenden Bestandteile mithilfe moderner genomischer Sequenzierung und digitaler PCR-Technologien können Behandelnde spezifische genetische Veränderungen feststellen, minimale Resterkrankungen überwachen und beurteilen, wie sich ein Tumor im Laufe der Zeit verändert. Im Gegensatz zu standardmäßigen Gewebebiopsien, die nur eine Momentaufnahme einer einzelnen Tumorstelle liefern, kann eine Liquid Biopsy genetisches Material erfassen, das von mehreren Tumorherden im gesamten Körper freigesetzt wird.

Warum es wichtig ist

Das Verständnis der Liquid Biopsy ist deshalb so wichtig, weil sich Krebs während der Behandlung ständig weiterentwickelt und oft neue genetische Veränderungen entwickelt, die zu Resistenzen gegen Medikamente führen können. Da eine Blutabnahme mit weitaus geringeren Risiken und Beschwerden verbunden ist als wiederholte operative Biopsien, kann sie häufiger durchgeführt werden. Dadurch kann Ihr Onkologie-Team Ihr Ansprechen auf die Therapie nahezu in Echtzeit überwachen, feine Anzeichen eines Fortschreitens der Erkrankung erkennen, noch bevor sie auf radiologischen Bildern sichtbar werden, und zielgerichtete Therapien auswählen, die exakt auf die spezifischen Mutationen Ihres Tumors abgestimmt sind. Dies ermöglicht Ihnen und Ihrem Behandlungsteam fundierte und hochgradig personalisierte Entscheidungen.

Verwandte Biomarker und Tests

Für eine Liquid Biopsy ist in der Regel eine normale Blutentnahme aus einer Armvene in spezielle Röhrchen erforderlich, die empfindliche zirkulierende zellfreie DNA stabilisieren. Das Blutplasma wird im pathologischen Labor abgetrennt und mittels Next-Generation-Sequencing-Panels (NGS) oder Droplet Digital Polymerase-Kettenreaktion (ddPCR) untersucht. Diese Tests identifizieren somatische Einzelnukleotid-Varianten, Genfusionen, Insertionen, Deletionen und Kopienzahlvariationen, die direkt vom Tumor stammen.

Verwandte Krebsarten

Am besten etabliert ist die Liquid Biopsy beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, insbesondere zum Nachweis von Mutationen wie EGFR, ALK und KRAS. Sie wird auch häufig bei Darmkrebs und metastasiertem Brustkrebs eingesetzt, um therapeutisch nutzbare Veränderungen wie PIK3CA- oder ESR1-Mutationen zu identifizieren. Zunehmend findet die Liquid Biopsy auch bei Prostatakrebs, Melanomen und gastrointestinalen Tumoren Anwendung, um zirkulierende Tumor-DNA zu analysieren und die Wirksamkeit von Behandlungen zu überwachen.

Verwandte Behandlungen

Der Nachweis spezifischer Mutationen durch eine Liquid Biopsy bestimmt häufig direkt die Auswahl der Medikamente. So weist beispielsweise der Nachweis einer EGFR-T790M-Resistenzmutation bei Lungenkrebs auf den Einsatz von Tyrosinkinaseinhibitoren der dritten Generation hin. Bei Brustkrebs kann das Auffinden einer ESR1-Mutation die Wahl der endokrinen Therapie verändern. Zudem helfen Liquid Biopsies bei der Verlaufsbeobachtung des Ansprechens auf die Therapie, sodass die Behandlung gewechselt werden kann, sobald molekulare Anzeichen einer Resistenz auftreten.

Häufige Fragen

Kann eine Liquid Biopsy eine herkömmliche Gewebebiopsie vollständig ersetzen?

Nicht vollständig. Obwohl Liquid Biopsies sehr wertvoll und weniger invasiv sind, können sie den architektonischen Aufbau des Tumorgewebes, den Differenzierungsgrad (Grading) oder bestimmte Proteinfärbungen der klassischen Histologie nicht abbilden. Zudem geben manche Tumoren nur sehr wenig DNA ins Blut ab, was zu falsch-negativen Ergebnissen führen kann. Daher bleibt die Gewebebiopsie der Goldstandard für die Erstdiagnose einer Krebserkrankung, während die Liquid Biopsy als ergänzendes oder alternatives Verfahren dient.

Wie lange dauert es, bis die Ergebnisse einer Liquid Biopsy vorliegen?

Die Ergebnisse liegen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen vor, abhängig vom Umfang des Gen-Panels und dem jeweiligen Speziallabor. Da Termine für Operationen, Erholungszeiten und aufwendige Gewebeaufbereitungen entfallen, liefert die Liquid Biopsy die genomischen Informationen oft schneller. Ihre medizinische Onkologin oder Ihr medizinischer Onkologe wird den molekularen Befund nach Fertigstellung mit Ihnen besprechen, um mögliche Therapieanpassungen abzustimmen.

Bedeutet ein negatives Ergebnis der Liquid Biopsy, dass kein Krebs vorhanden ist?

Nein, ein negatives Ergebnis ist keine absolute Garantie dafür, dass kein Krebs vorliegt. Einige Tumoren setzen keine nachweisbaren Mengen an DNA in den Blutkreislauf frei – ein Phänomen, das als „Non-Shedding“ bezeichnet wird. Wenn eine Liquid Biopsy keine Mutationen zeigt, aber ein klinischer Verdacht oder Bildgebungsverfahren auf ein Fortschreiten der Erkrankung hindeuten, kann Ihr Onkologie-Team eine Bestätigung durch eine herkömmliche Gewebebiopsie oder weitere Untersuchungen empfehlen.

Quellen

  1. 1.Flüssigbiopsie: Nutzung von DNA im Blut zur Erkennung und Überwachung von KrebsNational Cancer Institute
  2. 2.Zirkulierende Tumor-DNA und Liquid BiopsyAmerican Society of Clinical Oncology
  3. 3.ESMO-Empfehlungen zum Einsatz von Assays für zirkulierende Tumor-DNAEuropean Society for Medical Oncology
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