Einfach erklärt
Im Körperinneren sind Organe ständig in Bewegung: Die Lunge dehnt sich beim Atmen aus, der Magen bewegt sich bei der Verdauung und die Blase verändert ihre Form, wenn sie sich füllt. Würde man die Strahlen genau dorthin zielen, wo der Tumor Wochen zuvor bei der Planung lag, könnte gesundes Gewebe unbeabsichtigt getroffen werden. Die bildgestützte Strahlentherapie löst dies, indem sie ein schnelles Bild oder einen Scan anfertigt, während Sie bereits auf dem Behandlungstisch liegen. Das Gerät vergleicht die Aufnahme automatisch mit Ihrem ursprünglichen Bestrahlungsplan und korrigiert die Ausrichtung, sodass der Strahl präzise den Tumor trifft.
Das Wichtigste
- Nutzt Echtzeit-Bildgebung zur Kontrolle der Tumorposition vor jeder Dosis.
- Gleicht normale Körperbewegungen wie Atmung und Verdauung präzise aus.
- Reduziert Strahlenschäden an gesunden, angrenzenden Organen und Geweben.
- Kann das vorherige Einsetzen winziger metallischer Landmarken (Marker) erfordern.
Definition
Die bildgestützte Strahlentherapie ist eine hochentwickelte Bestrahlungsplattform, bei der bildgebende Technologien direkt am oder im Linearbeschleuniger integriert sind. Da sich innere Organe zwischen den Terminen natürlicherweise verschieben, dehnen oder zusammenziehen – etwa durch Atmung, Verdauung, Blasenfüllung oder Veränderungen des Körpergewichts –, ist die Position von Tumoren dynamisch und nicht starr fixiert.
Die IGRT löst dieses Problem, indem unmittelbar vor der Einstrahlung zwei- oder dreidimensionale Aufnahmen erstellt werden, wie beispielsweise eine digitale Volumentomographie (Cone-Beam-CT, CBCT), planare Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomographie (MRT). Eine Computersoftware gleicht diese Echtzeitbilder mit den Planungsaufnahmen ab. So kann das Bestrahlungsteam noch vor Beginn kleinste Anpassungen am Behandlungstisch oder den Strahlwinkeln vornehmen.
Warum es wichtig ist
Präzision ist in der modernen Radioonkologie von zentraler Bedeutung. Da die genauen Koordinaten des Tumors an jedem einzelnen Behandlungstag überprüft werden, ermöglicht die IGRT den Radioonkologinnen und Radioonkologen, die Sicherheitsabstände um das Zielgebiet zu verkleinern. Diese Verkleinerung senkt die Strahlenbelastung umliegender gesunder Organe drastisch, was sowohl unmittelbare Nebenwirkungen als auch bleibende Spätfolgen minimiert. Zudem können Ärztinnen und Ärzte die Strahlendosis im Tumor sicher steigern, was die Chancen auf einen dauerhaften Behandlungserfolg verbessert.
Verwandte Biomarker und Tests
Die IGRT stützt sich zwar nicht auf Biomarker aus dem Labor, verwendet jedoch häufig physische Hilfsmittel. Vor der Bestrahlungsplanung werden mitunter winzige röntgendichte Goldpartikel oder Metallclips – sogenannte Goldmarker oder Fiduzialmarker – in oder nahe dem Tumor implantiert. Während jeder Sitzung sind diese Marker in der Bildgebung deutlich sichtbar und dienen als präzise Orientierungspunkte im Körper.
Verwandte Krebsarten
Die IGRT ist von unschätzbarem Wert für Tumoren, die sich in oder nahe beweglichen Organen befinden. Sie wird routinemäßig bei der Behandlung von Prostatakrebs, Lungenkrebs, Leberkrebs, gynäkologischen Malignomen, Blasenkrebs, Magen-Darm-Tumoren sowie Kopf-Hals-Tumoren in der Nähe lebenswichtiger Strukturen wie dem Rückenmark oder den Speicheldrüsen eingesetzt.
Verwandte Behandlungen
Die IGRT wird selten isoliert eingesetzt; sie bildet vielmehr das Fundament für andere moderne Bestrahlungstechniken wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) und die stereotaktische Körperbestrahlung (SBRT). Durch die verlässliche Zielgenauigkeit ermöglicht die IGRT auch die sichere Kombination einer intensiven Strahlentherapie mit gleichzeitigen systemischen Behandlungen wie Chemotherapie oder Immuntherapie.
Häufige Fragen
Tut die Bildgebung während der IGRT weh oder dauert sie lange?
Nein. Die Bildaufnahme ist vollkommen schmerzlos und dauert in der Regel nur ein bis zwei Minuten, während Sie bequem auf dem Behandlungstisch liegen. Sie verlängert Ihren Gesamtaufenthalt kaum.
Setzt mich die zusätzliche Bildgebung schädlichen Mengen an Strahlung aus?
Die bildgebenden Aufnahmen nutzen sehr geringe Strahlendosen, die weit unter der eigentlichen therapeutischen Behandlungsdosis liegen. Der klinische Nutzen, gesundes Gewebe zuverlässig zu schonen, überwiegt die minimale Strahlenbelastung der Bildgebung bei Weitem.
Was ist der Unterschied zwischen IGRT und IMRT?
Die IMRT (intensitätsmodulierte Strahlentherapie) bezeichnet die Formanpassung der Strahlenbündel an die exakte Kontur des Tumors. Die IGRT ist das bildgebende Verfahren, das begleitend zur IMRT eingesetzt wird, um zu bestätigen, dass der Tumor millimetergenau in der Zielposition liegt.
Quellen
- 1.Perkutane Strahlentherapie bei Krebs— National Cancer Institute
- 2.Strahlentherapeutische Verfahren verstehen— American Society of Clinical Oncology (Cancer.Net)
- 3.Strahlentherapietechnologie und Qualitätssicherung— World Health Organization

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Zuletzt geprüft 1. August 2026
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