Medizinisches Glossar

Immungeschwächt — Verminderte Abwehrkräfte in der Onkologie

Immungeschwächt zu sein bedeutet, dass die körpereigene Abwehr geschwächt ist und Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze nicht mehr effektiv abwehren kann. Bei Menschen in krebstherapeutischer Behandlung kann diese Verwundbarkeit durch die Erkrankung selbst oder durch Therapien wie eine Chemotherapie bedingt sein und erfordert besondere Vorsicht zum Schutz vor schweren Infektionen.

3 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Wenn Sie immungeschwächt sind, arbeitet die körpereigene Abwehrmannschaft mit verminderter Truppenstärke oder reduzierter Kraft. Man kann sich das Immunsystem wie einen Schutzschild vorstellen: Im gesunden Zustand wehrt er alltägliche Keime ab, ohne dass Sie es überhaupt bemerken. Krebserkrankungen und deren Therapien können vorübergehend Lücken in diesen Schild reißen. Dadurch können sich harmlose Erreger, die der Körper sonst mühelos bewältigen würde, viel schneller zu ernsten Infektionen entwickeln. Aus diesem Grund werden alltägliche Schutzmaßnahmen wie gründliches Händewaschen, das Meiden von erkrankten Personen und das sofortige Melden von Fieber zu einem unverzichtbaren Teil Ihres Alltags.

Das Wichtigste

  • Bedeutet eine beeinträchtigte Fähigkeit zu einer normalen Immunabwehr.
  • Wird häufig durch Chemotherapie, Bestrahlung oder Blutkrebserkrankungen hervorgerufen.
  • Eine Neutropenie (zu wenige neutrophile Granulozyten) ist eine Hauptursache bei Krebs.
  • Fieber bei immungeschwächten Patienten gilt als medizinischer Notfall.

Definition

Ein immungeschwächter Zustand, der auch als Immunsuppression oder Immundefizienz bezeichnet wird, liegt vor, wenn eine oder mehrere Komponenten des Immunsystems zahlenmäßig vermindert sind, fehlen oder nicht richtig arbeiten. In der Onkologie tritt dies meist als sekundäre bzw. erworbene Immunsuppression in Erscheinung. Dem Körper fehlen dabei ausreichende Mengen funktionsfähiger weißer Blutkörperchen – wie Neutrophile, Lymphozyten oder Monozyten – oder er kann nicht genügend Immunglobuline bilden.

Ohne diese lebenswichtigen Schutzmechanismen fällt es dem Organismus schwer, alltägliche Krankheitserreger unschädlich zu machen. Selbst Mikroorganismen, die normalerweise völlig harmlos auf der Haut oder im Verdauungstrakt leben – sogenannte opportunistische Erreger –, können die geschwächten Barrieren überwinden und lebensbedrohliche systemische Infektionen, schwere Blutvergiftungen (Sepsis) oder Organversagen hervorrufen.

Warum es wichtig ist

Zu wissen, dass das Immunsystem geschwächt ist, verändert die Prioritäten im Alltag. Ein leichtes Fieber oder ein harmloser Husten, über die man sonst hinwegsehen würde, bedürfen bei eingeschränkter Immunabwehr einer sofortigen ärztlichen Abklärung. Dieses Wissen befähigt Sie und Ihre Angehörigen, konsequenten Infektionsschutz zu praktizieren, auf sichere Lebensmittelhygiene zu achten, empfohlene Impfungen mit Totimpfstoffen aktuell zu halten und bei ersten Anzeichen einer Erkrankung rasch medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, bevor Komplikationen entstehen.

Verwandte Biomarker und Tests

Der Immunstatus wird über ein routinemäßiges Blutbild, meist ein kleines Blutbild (CBC) in Kombination mit einem Differenzialblutbild, beurteilt. Das Behandlungsteam kontrolliert dabei insbesondere die absolute Neutrophilenzahl (ANC), um eine Neutropenie zu erkennen, die absolute Lymphozytenzahl und mitunter die Immunglobulinspiegel im Serum, um die humorale Immunität einzuschätzen.

Verwandte Krebsarten

Eine Immunschwäche tritt besonders ausgeprägt bei bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems auf – wie akuten und chronischen Leukämien, dem multiplen Myelom sowie Non-Hodgkin- oder Hodgkin-Lymphomen –, da diese die Knochenmarkfunktion unmittelbar stören. Ebenso betrifft sie Patientinnen und Patienten mit soliden Tumoren, die sich einer intensiven systemischen Chemotherapie oder Strahlentherapie unterziehen.

Verwandte Behandlungen

Liegt eine schwere Immunschwäche vor, müssen Krebstherapien unter Umständen vorübergehend pausiert oder in der Dosis angepasst werden, damit sich das Knochenmark erholen kann. Klinische Teams verordnen häufig vorbeugend Antibiotika, Virustatika oder Antimykotika sowie Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktoren (G-CSF), um die Produktion der weißen Blutkörperchen anzuregen. Tritt während einer Phase der Neutropenie Fieber auf, ist eine sofortige notfallmäßige Aufnahme ins Krankenhaus erforderlich.

Häufige Fragen

Was ist das wichtigste Warnzeichen, auf das man achten muss?

Fieber ist das wichtigste Warnsignal. Da der Körper gewohnte Entzündungszeichen oft nicht mehr vollständig entwickeln kann, ist Fieber mitunter der einzige frühe Hinweis auf eine schwere, sich rasch ausbreitende Infektion, die sofort als Notfall abgeklärt werden muss.

Darf ich geimpft werden, solange mein Immunsystem geschwächt ist?

Totimpfstoffe – wie die jährliche Grippeimpfung oder Impfungen gegen COVID-19 – werden im Allgemeinen empfohlen, auch wenn der Impfschutz möglicherweise etwas geringer ausfällt. Lebendimpfstoffe müssen hingegen strikt vermieden werden, da sie vermehrungsfähige Erreger enthalten, die eine aktive Infektion auslösen könnten.

Erholt sich mein Immunsystem wieder, wenn die Krebsbehandlung beendet ist?

In den allermeisten Fällen ja. Die Anzahl der weißen Blutkörperchen beginnt sich meist innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten nach Abschluss der Chemotherapie zu erholen. Eine vollständige Wiederherstellung des immunologischen Gedächtnisses und aller Abwehrfunktionen kann je nach verabreichten Therapien jedoch etwas länger dauern.

Quellen

  1. 1.Infektionen und Neutropenie während der KrebsbehandlungNational Cancer Institute
  2. 2.Infektionen bei Krebspatienten vorbeugenAmerican Society of Clinical Oncology (Cancer.Net)
  3. 3.WHO-Leitlinien zur Infektionsprävention und -kontrolleWorld Health Organization
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