Medizinisches Glossar

Strahlentherapie — Gezielte Strahlen zur Krebsbehandlung

Die Strahlentherapie, oft auch Radiotherapie genannt, ist eine tragende Säule der Krebsbehandlung. Sie nutzt kontrollierte Dosen hochenergetischer Strahlung, um Krebszellen abzutöten und Tumoren zu verkleinern. Indem unsichtbare Energiestrahlen präzise auf die betroffenen Regionen fokussiert werden, schädigt die Bestrahlung das Erbgut der Krebszellen, während das umliegende gesunde Gewebe bestmöglich geschont wird.

4 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Die Strahlentherapie ist ein medizinisches Verfahren, bei dem energiereiche, unsichtbare Strahlen auf Tumoren gerichtet werden, um Krebszellen zu zerstören. Über Tage oder Wochen hinweg schädigen diese Strahlen das genetische Material im Inneren der Krebszellen, sodass diese nicht mehr wachsen und sich nicht weiter teilen können. Auch gesunde Zellen werden dabei zu einem gewissen Grad mitbestrahlt, können sich jedoch in der Regel deutlich besser reparieren als Krebszellen. Die Strahlung wird entweder von außen über ein großes Gerät verabreicht oder von innen über kleine radioaktive Quellen, die in der Nähe des Tumors platziert werden.

Das Wichtigste

  • Etwa 50 % aller Menschen mit einer Krebsdiagnose profitieren im Rahmen ihrer Behandlung von einer Strahlentherapie.
  • Die perkutane Bestrahlung ist während der eigentlichen Bestrahlungssitzung völlig schmerzfrei.
  • Die Gesamtdosis wird üblicherweise auf tägliche Einzelsitzungen über mehrere Wochen verteilt, um gesundes Gewebe zu schonen.
  • Eine Bestrahlung von außen macht den Körper nicht radioaktiv; der Kontakt mit Familie und Freunden ist absolut sicher.

Definition

Die Strahlentherapie ist eine lokale Behandlungsform, bei der ionisierende Strahlung – wie hochenergetische Röntgenstrahlen, Gammastrahlen, Protonen oder Elektronen – gezielt auf das betroffene Gewebe gerichtet wird. Die Strahlung erzeugt Einzel- und Doppelstrangbrüche in der DNA der bestrahlten Zellen. Da Krebszellen im Vergleich zu gesunden Zellen meist über fehlerhafte DNA-Reparaturmechanismen verfügen, können sie sich nicht mehr teilen und sterben durch Apoptose oder mitotischen Zelltod ab.

Die Bestrahlung kann von außen oder von innen erfolgen. Bei der perkutanen Strahlentherapie (EBRT) richten Linearbeschleuniger hochpräzise Strahlenbündel aus verschiedenen Winkeln auf den Körper. Bei der internen Bestrahlung oder Brachytherapie werden umschlossene radioaktive Kapseln oder Seeds direkt in den Tumor oder unmittelbar daneben eingebracht. Die Strahlentherapie wird mithilfe moderner Bildgebung individuell an die Form des Tumors angepasst.

Warum es wichtig ist

Etwa die Hälfte aller Krebspatienten erhält im Verlauf der Erkrankung eine Strahlentherapie. Sie erfüllt entscheidende Aufgaben: Sie kann Tumoren im Frühstadium vollständig zerstören, Tumoren vor einer Operation verkleinern, verbliebene Krebszellen nach einem Eingriff abtöten oder bei fortgeschrittenen Erkrankungen belastende Symptome wie Knochenschmerzen und Blutungen lindern. Ein klares Verständnis der Strahlentherapie hilft Patientinnen und Patienten, sich auf die täglichen Termine vorzubereiten, Nebenwirkungen aktiv zu begegnen und ihren Behandlungsplan zuversichtlich mitzugestalten.

Verwandte Biomarker und Tests

Die Durchführung einer Strahlentherapie beruht nicht auf einem einzelnen Blutwert; vielmehr erfordert die Planung hochauflösende Bildgebungsverfahren wie Planungs-CTs, MRT- und PET-Scans, um das Zielvolumen millimetergenau zu erfassen. Gewebebiopsien liefern histologische Bestätigungen und molekulare Details – wie den HPV-Status bei Oropharynxkarzinomen oder den Mikrosatellitenstatus –, die Aufschluss über die Strahlenempfindlichkeit geben und bei der Wahl des Fraktionierungsschemas helfen.

Verwandte Krebsarten

Die Strahlentherapie kommt bei nahezu allen Krebsarten zum Einsatz. Sie spielt eine Schlüsselrolle bei Brust-, Lungen-, Prostata- sowie Kopf-Hals-Tumoren, bei denen sie entweder zur definitiven Heilung oder zur Risikoreduktion nach einer Operation beiträgt. Ebenso wird sie bei Hirntumoren, gynäkologischen Karzinomen wie Gebärmutterhals- und Endometriumkarzinomen, Magen-Darm-Tumoren, Lymphomen und Weichteilsarkomen eingesetzt.

Verwandte Behandlungen

Die Strahlentherapie wird häufig mit anderen Behandlungsverfahren kombiniert, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Sie kann zeitgleich mit einer Chemotherapie als Strahlensensibilisator gegeben werden, vor einer Operation (neoadjuvant) zur Verkleinerung des Tumors oder nach einem Eingriff (adjuvant) zur Beseitigung mikroskopischer Reste. Zudem lässt sie sich mit modernen Immuntherapien kombinieren und kann palliativ in kurzen Behandlungsserien eingesetzt werden, um lokale Schmerzen rasch zu lindern.

Häufige Fragen

Macht mich eine Strahlentherapie radioaktiv?

Nein. Bei einer Bestrahlung von außen verbleibt keinerlei Strahlung in Ihrem Körper. Sie sind nicht radioaktiv, und der Umgang mit anderen Menschen – einschließlich Kindern und Schwangeren – ist vollkommen unbedenklich. Lediglich bei bestimmten internen Bestrahlungen oder nuklearmedizinischen Therapien mit Radiopharmaka gelten vorübergehend spezielle Sicherheitsvorkehrungen.

Tut eine Strahlentherapie weh?

Die eigentliche Bestrahlung von außen tut überhaupt nicht weh – ganz ähnlich wie bei einer normalen Röntgenaufnahme. Im Verlauf von mehreren Wochen können sich im bestrahlten Bereich jedoch nach und nach Nebenwirkungen wie Hautrötungen, Müdigkeit und lokale Schmerzempfindlichkeit bemerkbar machen.

Warum wird die Strahlentherapie über viele Tage oder Wochen verteilt?

Die Aufteilung der Gesamtdosis in kleine tägliche Portionen – Fraktionierung genannt – gibt gesunden Zellen zwischen den Sitzungen Zeit zur Erholung. Krebszellen hingegen können Strahlenschäden wesentlich schlechter reparieren. Durch diesen Rhythmus lässt sich der Tumor wirksam zerstören, während das gesunde Gewebe bestmöglich geschützt wird.

Quellen

  1. 1.StrahlentherapieNational Cancer Institute
  2. 2.Leitfaden zur StrahlentherapieAmerican Society of Clinical Oncology
  3. 3.Strahlentherapie in der OnkologieEuropean Society for Medical Oncology
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