Einfach erklärt
Man kann sich die Fraktionierung wie das Wässern eines empfindlichen Blumenbeets vorstellen: Schüttet man das gesamte Wasser für einen ganzen Monat auf einmal in einer einzigen Minute über die Erde, wird der Boden weggespült und die Pflanzen nehmen schweren Schaden. Verteilt man dieselbe Wassermenge hingegen auf kleine, kontrollierte Portionen an jedem Morgen, kann das Beet die Feuchtigkeit sicher aufnehmen und gedeihen. Ähnlich funktioniert die Fraktionierung: Sie verabreicht die zerstörerische Strahlendosis in wohlüberlegten, täglichen Schritten. Dieser schrittweise Ansatz schwächt die Abwehrkräfte des Tumors Tag für Tag, während Ihre gesunden Organe und die Haut zwischen den Terminen die nötige Zeit haben, sich zu erholen und zu heilen.
Das Wichtigste
- Teilt die therapeutische Gesamtstrahlendosis in kleinere, planmäßige Einzeldosen auf.
- Nutzt die überlegene DNA-Reparaturfähigkeit gesunder Zellen gegenüber Tumorzellen aus.
- Die Hypofraktionierung verabreicht höhere Einzeldosen pro Sitzung über eine geringere Gesamtzahl an Tagen.
- Die meisten Standardschemata erfordern über mehrere Wochen hinweg tägliche ambulante Termine an Werktagen.
Definition
In der klinischen Onkologie beschreibt die Fraktionierung die strategische zeitliche Planung und Dosiseinteilung ionisierender Strahlung. Die zugrundeliegende biologische Rationale stützt sich auf die vier klassischen Grundprinzipien der Radiobiologie (die „vier R“): Reparatur subletaler zellulärer Schäden, Umverteilung (Reassortment) im Zellzyklus, Repopulierung überlebender Zellen und Reoxygenierung hypoxischen Tumorgewebes.
Gesunde menschliche Zellen reparieren strahlenbedingte DNA-Schäden in der Regel deutlich effizienter als maligne Zellen. Durch die zeitliche Aufteilung der Bestrahlung in einzelne Fraktionen – typischerweise einmal täglich über einen Zeitraum von mehreren Wochen – machen sich Radioonkologen diesen Unterschied zunutze. Dieses therapeutische Fenster maximiert die Zerstörung des Tumors und minimiert gleichzeitig langfristige Schäden an den angrenzenden gesunden Organen.
Warum es wichtig ist
Die Fraktionierung bestimmt Ihren täglichen Ablauf, den gesamten Behandlungskalender und das Auftreten möglicher Symptome während der Strahlentherapie maßgeblich mit. Wenn Sie Ihren genauen Bestrahlungsplan kennen, können Sie Anfahrten, berufliche Verpflichtungen und das Familienleben rund um die ambulanten Termine besser organisieren. Dies erklärt auch, warum sich Nebenwirkungen oft erst allmählich im Verlauf entwickeln und nicht sofort am ersten Tag spürbar sind. Es existieren verschiedene Fraktionierungsschemata, wie die Standardfraktionierung, die Hypofraktionierung (wenigere, dafür höhere Einzeldosen) oder die Hyperfraktionierung (kleinere Dosen, die mehrmals täglich gegeben werden). Das Gespräch mit Ihrem Radioonkologen über dieses Schema hilft Ihnen zu verstehen, wie Behandlungsdauer, tägliche Sitzungen und akute sowie chronische Nebenwirkungen zusammenhängen.
Verwandte Biomarker und Tests
Die Fraktionierung selbst ist kein biologischer Test oder Labormarker, sondern ein Bestrahlungsverfahren. Die Festlegung eines Fraktionierungsschemas erfordert jedoch eine präzise Bildgebung und aufwendige medizinphysikalische Berechnungen. Vor Beginn der Bestrahlung erhalten Patientinnen und Patienten eine Planungs-Computertomographie (Planungs-CT), oft ergänzt durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Medizinphysiker und Dosimetristen nutzen diese Aufnahmen, um die Tumorgrenzen exakt zu erfassen, die Belastungsgrenzen der Normalorgane zu bestimmen und die genaue Anzahl an Fraktionen für die verordnete Dosis zu berechnen.
Verwandte Krebsarten
Die Fraktionierung ist ein zentrales Konzept bei nahezu allen bösartigen Erkrankungen, die mit einer perkutanen Strahlentherapie (Teletherapie) behandelt werden. Sie kommt routinemäßig bei Brustkrebs zum Einsatz, wo moderne Protokolle häufig eine moderate Hypofraktionierung nutzen, um die Gesamtbehandlungszeit zu verkürzen. Ebenso wichtig ist sie bei der Behandlung von Prostatakrebs, Lungenkrebs, Kopf-Hals-Tumoren, Rektumkarzinomen und Zervixkarzinomen. Bei Hirntumoren wie dem Glioblastom oder bei Hirnmetastasen werden spezialisierte Fraktionierungsschemata gewählt, um kritische neurologische Strukturen bestmöglich zu schonen.
Verwandte Behandlungen
Die Wahl des Fraktionierungsschemas bestimmt unmittelbar den Ablauf und die Dauer der Strahlentherapie. Eine Standardfraktionierung umfasst typischerweise 1,8 bis 2 Gray (Gy) pro Tag von Montag bis Freitag über einen Zeitraum von fünf bis sieben Wochen. Die akzelerierte Hypofraktionierung verwendet höhere Tagesdosen, wodurch die Behandlung bei geeigneten Patientengruppen in ein bis drei Wochen abgeschlossen werden kann – bei vergleichbarer Wirksamkeit. In der stereotaktischen Körperstrahlentherapie (SBRT) kommen extrem hypofraktionierte Schemata zum Einsatz, die sehr hohe Dosen in nur einer bis fünf Sitzungen verabreichen. Häufig werden Fraktionierungsschemata simultan mit einer radiosensibilisierenden Chemotherapie oder sequenziell mit einer Immuntherapie kombiniert.
Häufige Fragen
Warum kann ich die gesamte Strahlendosis nicht in einem einzigen Termin erhalten?
Die Verabreichung einer vollständigen kurativen Strahlendosis in einer einzigen Sitzung würde das angrenzende gesunde Gewebe massiv schädigen und zu unbeherrschbaren Nebenwirkungen führen. Durch die Aufteilung der Dosis in mehrere Fraktionen können gesunde Zellen mikroskopische Schäden zwischen den Bestrahlungen reparieren. Tumorzellen verfügen kaum über diese Reparaturmechanismen, sodass sich tödliche Schäden bei ihnen anhäufen und sie absterben.
Was ist der Unterschied zwischen Standardfraktionierung und Hypofraktionierung?
Bei der Standardfraktionierung werden kleine tägliche Dosen – in der Regel 1,8 bis 2,0 Gray – über einen Zeitraum von fünf bis acht Wochen verabreicht. Bei der Hypofraktionierung sind die einzelnen Dosen pro Sitzung höher, wodurch die gesamte Therapie in weniger Sitzungen und oft innerhalb von ein bis drei Wochen abgeschlossen werden kann. Moderne klinische Studien belegen, dass die Hypofraktionierung bei vielen Brust- und Prostatakrebspatienten gleichermaßen wirksam und sicher ist.
Was passiert, wenn ich eine geplante Bestrahlungssitzung verpasse?
Das gelegentliche Ausfallen einer Bestrahlung durch Krankheit oder Wartungsarbeiten an den Geräten kommt vor und lässt sich problemlos handhaben. Ihr Behandlungsteam in der Radioonkologie passt den Terminplan entsprechend an – meistens, indem die verpasste Sitzung am Ende angehängt oder in Ausnahmefällen nachgeholt wird –, sodass die geplante Gesamtdosis am Tumor sicher erreicht wird.
Quellen
- 1.Prinzipien und Praxis der Strahlentherapie— National Cancer Institute
- 2.Strahlentherapie verstehen— American Society of Clinical Oncology (Cancer.Net)
- 3.Strahlentherapie in der Krebsversorgung— World Health Organization

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Zuletzt geprüft 1. August 2026
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