Einfach erklärt
Im Grunde ist die Brachytherapie eine interne Bestrahlung. Anstatt ein großes Gerät zu nutzen, das die Strahlen von außen durch Ihre Haut in Ihren Körper lenkt, platzieren die Ärzte winzige radioaktive Kapseln oder Seeds direkt dort, wo sich der Krebs befindet. Da die Strahlung nur eine sehr kurze Strecke zurücklegt, erhält der Tumor eine wirkungsvolle Dosis, während benachbarte gesunde Organe und Gewebe weitgehend geschont werden. Je nach Krebsart verbleiben diese radioaktiven Quellen entweder dauerhaft im Körper und verlieren mit der Zeit allmählich ihre Radioaktivität, oder sie werden vorübergehend über feine Röhrchen eingeführt und kurz darauf wieder entfernt.
Das Wichtigste
- Die Brachytherapie platziert radioaktive Quellen direkt im oder sehr nah am Tumor.
- Sie kann als temporäre Hochdosis-Behandlung oder in Form von dauerhaften Niedrigdosis-Seeds verabreicht werden.
- Die Methode schont umliegende gesunde Organe, da die Strahlung nur eine minimale Reichweite hat.
- Sie stellt bei vielen Gebärmutterhals- und Prostatakarzinomen einen kurativen Standardbestandteil dar.
Definition
Bei der Brachytherapie, mitunter auch als Strahlentherapie mit umschlossenen Quellen bezeichnet, werden radioaktive Isotope in Form von schützenden Kapseln, Drähten, Seeds (Stiften) oder Bändern direkt in bösartiges Gewebe oder in dessen unmittelbare Nähe eingebracht. Die Behandlung wird nach ihrer Platzierungstechnik unterschieden: Bei der interstitiellen Brachytherapie werden die Quellen direkt in das Gewebe implantiert, wie etwa in die Vorsteherdrüse (Prostata), während bei der intrakavitären Brachytherapie die Einbringung in natürliche Körperhöhlen erfolgt, beispielsweise in den Gebärmutterhals oder die Gebärmutterhöhle. Zudem kann sie über spezielle Formen oder Schalen (Plaques) auch auf oberflächlichem Gewebe angewendet werden.
Technisch wird darüber hinaus nach der verabreichten Dosisleistung differenziert. Die Low-Dose-Rate-Brachytherapie (LDR) gibt über mehrere Tage oder über dauerhaft implantierte Seeds kontinuierlich eine sanfte Strahlung ab. Im Gegensatz dazu verabreicht die High-Dose-Rate-Brachytherapie (HDR) hochkonzentrierte Dosen über temporäre Applikatoren in einer Serie kurzer ambulanter Sitzungen, die jeweils nur wenige Minuten dauern. Beide Verfahren ermöglichen es Radioonkologen, die Tumordosis sicher über die herkömmlichen Grenzen der perkutanen Strahlentherapie hinaus zu steigern.
Warum es wichtig ist
Die Brachytherapie spielt in der Krebsbehandlung eine entscheidende Rolle, da sie ein wirksames Gleichgewicht zwischen der Zerstörung bösartigen Gewebes und dem Erhalt lebenswichtiger Organfunktionen schafft. Bei Tumoren, die sich in der Nähe empfindlicher Strukturen wie Blase, Darm oder Enddarm befinden, kann eine alleinige externe Bestrahlung mitunter zu unerwünschten langfristigen Nebenwirkungen führen. Die Brachytherapie ermöglicht es, eine höhere kurative Strahlendosis direkt im Zielvolumen zu deponieren. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dies häufig kürzere Gesamtbehandlungszeiten, eine schnellere Erholung und ein geringeres Risiko für chronische Komplikationen, sodass die Lebensqualität während und nach der Therapie besser erhalten bleibt.
Verwandte Biomarker und Tests
Vor einer Brachytherapie ist eine detaillierte Bildgebung unerlässlich, um die genauen Ausmaße des Tumors und die umgebende Anatomie exakt darzustellen. Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT) und transrektaler Ultraschall (TRUS) werden routinemäßig für die präzise computergestützte Bestrahlungsplanung herangezogen. Der pathologische Differenzierungsgrad, wie der Gleason-Score bei Prostatakrebs, sowie das klinische Staging bestimmen die Eignung der Betroffenen. Obwohl die Brachytherapie selbst kein Biomarker ist, werden Tumoren routinemäßig histologisch bestätigt und molekular charakterisiert, um sicherzustellen, dass sie geeignete Kandidaten für eine lokalisierte Strahlentherapie sind.
Verwandte Krebsarten
Am häufigsten wird die Brachytherapie bei Prostatakrebs, Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom) eingesetzt. Sie ist zudem ein etabliertes Therapieverfahren bei Brustkrebs im Frühstadium nach einer brusterhaltenden Operation (Lumpektomie), bei Kopf-Hals-Tumoren, Weichteilsarkomen, Scheidenkrebs sowie bestimmten Augentumoren wie dem Aderhautmelanom. Bei Gebärmutterhalskrebs gilt die Brachytherapie neben der Radiochemotherapie weithin als unverzichtbarer Bestandteil einer kurativen Behandlung.
Verwandte Behandlungen
Die Brachytherapie wird entweder als eigenständige kurative Behandlung oder in Kombination mit perkutaner Strahlentherapie, Chemotherapie oder Operation eingesetzt. Bei Prostatakrebs kann sie bei Niedrigrisiko-Befunden als Monotherapie oder bei intermediärem bzw. hohem Risiko als Dosisaufsättigung ('Boost') in Kombination mit externer Bestrahlung und Hormontherapie angewendet werden. Bei gynäkologischen Tumoren folgt sie üblicherweise auf eine gleichzeitige Radiochemotherapie. Nebenwirkungen sind weitgehend lokal begrenzt und vorübergehend; häufig treten vermehrtes Wasserlassen, Darmreizungen oder Schmerzen im Beckenbereich auf.
Häufige Fragen
Werde ich nach einer Brachytherapie radioaktiv sein?
Bei einer temporären High-Dose-Rate-Brachytherapie verbleibt nach der Behandlung kein radioaktives Material in Ihrem Körper, sodass Sie nicht radioaktiv sind. Bei dauerhaften Low-Dose-Rate-Implantaten, wie beispielsweise Prostata-Seeds, geben Sie über einige Wochen oder Monate hinweg sehr geringe Strahlungsmengen ab. Ihr Onkologieteam wird Ihnen einfache Sicherheitsrichtlinien an die Hand geben, wie etwa den vorübergehenden Verzicht auf engen Kontakt zu Schwangeren und Kleinkindern.
Ist das Einsetzen der Strahlenquellen schmerzhaft?
Die Applikatoren oder Seeds für die Brachytherapie werden unter Vollnarkose, Spinalanästhesie oder Lokalanästhesie mit Sedierung eingesetzt, sodass Sie während des Eingriffs keine Schmerzen verspüren. Im Anschluss können leichte Schmerzen, Blutergüsse oder lokale Schwellungen auftreten, die sich mit den von Ihrem Behandlungsteam verordneten üblichen Schmerzmitteln in der Regel gut kontrollieren lassen.
Wie unterscheidet sich die Brachytherapie von der perkutanen Strahlentherapie?
Die perkutane Strahlentherapie lenkt die Strahlen von einem Gerät außerhalb des Körpers durch normales Gewebe hindurch auf den Tumor. Bei der Brachytherapie hingegen wird die Strahlenquelle direkt in oder unmittelbar an den Tumor platziert. Diese direkte Platzierung gestattet es den Ärzten, eine höhere lokale Dosis zu verabreichen und gleichzeitig die Strahlenbelastung benachbarter gesunder Organe auf ein Minimum zu reduzieren.
Quellen
- 1.Strahlentherapie bei Krebs— National Cancer Institute
- 2.Brachytherapie verstehen— American Society of Clinical Oncology
- 3.Leitlinien zur Behandlung von Gebärmutterhalskrebs— European Society for Medical Oncology

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Zuletzt geprüft 1. August 2026
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