Medizinisches Glossar

Radiodermatitis — Hautreizung durch Strahlentherapie

Eine Radiodermatitis, oft auch als Strahlendermatitis oder strahleninduzierte Hautreaktion bezeichnet, ist eine entzündliche Hauterkrankung, die durch die Einwirkung therapeutischer ionisierender Strahlung hervorgerufen wird. Die Ausprägung reicht von leichten Rötungen und Trockenheit bis hin zu feuchter Ablösung der Haut im direkten Bestrahlungsfeld.

4 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Radiodermatitis ist der medizinische Fachbegriff für Hautreizungen und -veränderungen, die durch eine Strahlentherapie hervorgerufen werden. Wenn die Strahlung die Haut passiert, um den Tumor zu erreichen, kann sie die gesunden Hautzellen vorübergehend belasten – ähnlich wie bei einem Sonnenbrand. Zunächst zeigt sich meist eine leichte Rötung, verbunden mit Trockenheit, Juckreiz oder Schuppung. Bei stärkeren Reaktionen kann die Haut Blasen bilden, nässen und berührungsempfindlich werden. Diese Veränderungen beschränken sich exakt auf das bestrahlte Feld und heilen in der Regel einige Wochen nach Abschluss der Therapie wieder ab.

Das Wichtigste

  • Bis zu 90 % der Patienten unter perkutaner Strahlentherapie entwickeln eine Form der Radiodermatitis.
  • Hautveränderungen beginnen meist 1 bis 3 Wochen nach Beginn der Bestrahlung und erreichen 1 bis 2 Wochen nach Therapieende ihren Höhepunkt.
  • Die Symptome sind strikt auf den Hautbereich begrenzt, der im Strahlengang lag.
  • Die meisten akuten Hautreaktionen heilen innerhalb von ein bis zwei Monaten nach Behandlungsende gut ab.

Definition

Die Radiodermatitis ist eine lokale toxische Reaktion der Haut, die entsteht, wenn ionisierende Strahlung die basalen epithelialen Stammzellen dezimiert und eine Entzündung in Gang setzt. Die therapeutische Strahlung erzeugt reaktive Sauerstoffspezies, schädigt die zelluläre DNA und verändert die Durchlässigkeit der Mikrogefäße in der Lederhaut (Dermis). In der Folge werden mehr Epidermiszellen abgestoßen, als durch die Basalzellschicht nachgebildet werden können.

Klinisch unterscheidet man akute und chronische Stadien. Eine akute Radiodermatitis tritt innerhalb von Tagen bis Wochen nach Beginn der Strahlentherapie auf und reicht von leichtem Erythem (Rötung) und trockener Schuppung bis hin zu feuchter Desquamation (nässende, abgelöste Hautareale) und Geschwürbildung. Eine chronische Radiodermatitis kann sich Monate oder Jahre später entwickeln; typisch sind Gewebsverhärtungen (Dermisfibrose), dünner werdende Haut (Atrophie), erweiterte Äderchen (Teleangiektasien) und Pigmentveränderungen.

Warum es wichtig ist

Bis zu 90 % der Menschen, die eine perkutane Strahlentherapie erhalten, entwickeln Hautreizungen. Eine unzureichend behandelte Radiodermatitis kann erhebliche Schmerzen bereiten, den Schlaf stören, Ängste schüren und das Risiko für bakterielle Hautinfektionen erhöhen. Kommt es zu schweren Hautdefekten, muss die Bestrahlung unter Umständen pausiert werden, was die Wirksamkeit der Krebstherapie beeinträchtigen kann. Eine vorausschauende, sanfte Hautpflege schützt die Hautbarriere und hilft, Behandlungsunterbrechungen zu vermeiden.

Verwandte Biomarker und Tests

Die Beurteilung einer Radiodermatitis erfolgt durch die direkte klinische Untersuchung anhand standardisierter Skalen, wie den Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE) oder den Kriterien der Radiation Therapy Oncology Group (RTOG). Spezielle Laborwerte sind für die Diagnose nicht erforderlich; bei Verdacht auf eine bakterielle oder mykotische Sekundärinfektion nässender Hautstellen können jedoch Wundabstriche entnommen werden.

Verwandte Krebsarten

Eine Radiodermatitis kann prinzipiell immer auftreten, wenn Strahlen die Haut durchdringen. Besonders häufig wird sie jedoch bei Brustkrebs, Bestrahlungen der Brustwand sowie bei Kopf-Hals-Tumoren beobachtet, da die Zielgebiete hier sehr oberflächennah liegen. Regelmäßig betrifft sie auch Patientinnen und Patienten mit Hautkrebs, Anal- oder Vulvakarzinomen, Weichteilsarkomen sowie Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen.

Verwandte Behandlungen

Die Behandlung zielt darauf ab, die Hautbarriere zu erhalten und Schmerzen zu lindern. Zu den Empfehlungen gehören behutsames Waschen mit milder, unparfümierter Seife, das Auftragen nicht reizender, wasserbasierter Pflegecremes sowie der Schutz vor Reibung, extremen Temperaturen und Sonnenstrahlung. Bei mittelschweren bis schweren Verläufen können kortisonhaltige Cremes, nicht haftende Silikonauflagen oder Hydrogel-Verbände verordnet werden. Sekundäre bakterielle Infektionen werden gezielt mit Antibiotika behandelt.

Häufige Fragen

Wie kann ich meine Haut während der Strahlentherapie schützen?

Waschen Sie den bestrahlten Bereich vorsichtig mit lauwarmem Wasser und einer milden, duftstofffreien Seife. Tupfen Sie die Haut mit einem weichen Handtuch trocken, ohne zu reiben. Tragen Sie lockere Kleidung aus atmungsaktiver Baumwolle, meiden Sie Parfüms oder reizende Kosmetika, schützen Sie die Stelle vor direkter Sonne und verwenden Sie ausschließlich Cremes, die Ihr Bestrahlungsteam empfohlen hat.

Darf ich im Bestrahlungsbereich Deodorant oder Rasierprodukte verwenden?

Fragen Sie Ihr Bestrahlungsteam, bevor Sie Deodorants, Parfüms oder Rasierprodukte auf der behandelten Haut anwenden. Viele moderne Deos sind zwar unbedenklich, Nassrasuren können jedoch Mikroverletzungen verursachen und das Infektionsrisiko steigern. Häufig wird empfohlen, auf einen elektrischen Rasierer umzusteigen oder das Rasieren vorübergehend ganz einzustellen.

Wann heilt die strahlenbedingte Hautreizung typischerweise ab?

Akute Hautreaktionen erreichen ihren Höhepunkt meist etwa ein bis zwei Wochen nach der letzten Bestrahlungssitzung und klingen danach schrittweise ab. Bei den meisten Menschen lassen Rötung, Schuppung und Schmerzempfindlichkeit innerhalb von vier bis sechs Wochen nach; die Haut kann an dieser Stelle jedoch noch längere Zeit etwas dunkler oder fester bleiben.

Quellen

  1. 1.Haut- und Nagelveränderungen während der KrebsbehandlungNational Cancer Institute
  2. 2.Hautreaktionen auf StrahlentherapieAmerican Society of Clinical Oncology
  3. 3.Prävention und Management der RadiodermatitisEuropean Society for Medical Oncology
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