Medizinisches Glossar

Biologische Therapie — Nutzung lebender Systeme im Kampf gegen Krebs

Die biologische Therapie, auch Biotherapie genannt, umfasst Krebsbehandlungen mit Wirkstoffen, die aus lebenden Organismen gewonnen werden, oder synthetischen Substanzen, die natürliche biologische Vorgänge nachahmen. Diese Therapien wirken, indem sie das körpereigene Immunsystem anregen, bösartige Zellen zu bekämpfen, oder indem sie spezifische molekulare Signalwege blockieren, die Tumorzellen zum Wachsen und Überleben benötigen.

3 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Die biologische Therapie nutzt Substanzen, die von lebenden Zellen produziert werden, um Krebs zu bekämpfen. Während die herkömmliche Chemotherapie alle sich rasch teilenden Zellen angreift und dadurch bekannte Nebenwirkungen wie Haarausfall hervorruft, arbeiten biologische Therapien Hand in Hand mit den natürlichen Abwehrkräften des Körpers. Manche biologischen Medikamente wirken wie zielgenaue Ortungssysteme: Sie binden an bestimmte Eiweiße auf den Krebszellen, sodass das Immunsystem diese erkennen und zerstören kann. Andere stärken die Immunantwort insgesamt, um den Tumor als Bedrohung wahrzunehmen – ein zukunftsweisender Weg zur Kontrolle fortgeschrittener Erkrankungen.

Das Wichtigste

  • Wird aus lebenden Organismen gewonnen oder ahmt natürliche Substanzen biotechnologisch nach.
  • Umfasst monoklonale Antikörper, Checkpoint-Inhibitoren und CAR-T-Zell-Therapien.
  • Wirkt durch Aktivierung des Immunsystems oder gezielte Unterbrechung zellulärer Signalwege.
  • Kann immunvermittelte Nebenwirkungen verursachen, die sich von denen einer Chemotherapie unterscheiden.

Definition

Biologische Therapien bilden ein breites Spektrum onkologischer Behandlungsansätze, die auf biologische Wirkmechanismen setzen, anstatt ausschließlich auf zytotoxische, chemisch-synthetische Substanzen zurückzugreifen. Zu dieser Gruppe gehören monoklonale Antikörper, Immun-Checkpoint-Inhibitoren, Krebsimpfstoffe, adoptive Zelltherapien (wie die CAR-T-Zell-Therapie), Zytokine und onkolytische Viren.

Auf molekularer Ebene setzen diese Verfahren an unterschiedlichen Punkten an: Einige markieren Krebszellen gezielt, damit zytotoxische T-Zellen und natürliche Killerzellen des Körpers sie erkennen und vernichten können. Andere verändern das Tumormikromilieu, unterbrechen Wachstumsfaktorsignale, hemmen die Gefäßneubildung des Tumors (Neoangiogenese) oder transportieren zielgerichtete Wirkstoffe direkt in die Tumorzelle – wodurch gesundes Gewebe deutlich besser geschont wird als bei einer klassischen Chemotherapie.

Warum es wichtig ist

Die Einführung biologischer Therapien hat die Behandlungsergebnisse bei vielen Krebsarten grundlegend verbessert, die früher auf Standard-Chemotherapien kaum ansprachen. Vielen Patientinnen und Patienten ermöglichen diese Wirkstoffe eine langanhaltende Krankheitskontrolle und mitunter dauerhafte Remissionen. Da ihre Mechanismen sich von der klassischen Chemotherapie unterscheiden, bringen sie auch andere Nebenwirkungen mit sich; dies erfordert eine spezialisierte Überwachung hinsichtlich immunvermittelter Reaktionen, Hautveränderungen oder systemischer Entzündungsprozesse.

Verwandte Biomarker und Tests

Ob eine biologische Therapie infrage kommt, hängt maßgeblich von einer Biomarker-Diagnostik ab. Zu den angewendeten Tests gehören immunhistochemische Untersuchungen zur Bestimmung der PD-L1-Expression, Next-Generation-Sequencing zur Prüfung auf Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) oder Tumormutationslast (TMB) sowie Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierungen (FISH) zum Nachweis von Genamplifikationen wie HER2. Im Verlauf der Behandlung überwachen Blutuntersuchungen zudem Zytokinausschüttungen und Entzündungswerte.

Verwandte Krebsarten

Biologische Therapien sind für zahlreiche Krebserkrankungen zugelassen, darunter das maligne Melanom, das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom, das Nierenzellkarzinom, das Kolorektalkarzinom sowie Blut- und Lymphdrüsenkrebserkrankungen wie Leukämien und Lymphome. Monoklonale Antikörper werden breit beim HER2-positiven Brustkrebs eingesetzt, während Checkpoint-Inhibitoren eine tragende Rolle bei der Behandlung von Blasen- sowie Kopf-Hals-Tumoren spielen.

Verwandte Behandlungen

Biologische Therapien werden intravenös, subkutan oder oral verabreicht – oft in Kombination mit Chemotherapie, Operation oder Strahlentherapie. Sie können als Erstlinientherapie, adjuvante Therapie zur Verhinderung eines Rückfalls oder als Erhaltungstherapie eingesetzt werden. Zu den Nebenwirkungen zählen immunvermittelte unerwünschte Ereignisse wie Lungenentzündungen (Pneumonitis), Darmentzündungen (Kolitis) oder Schilddrüsenentzündungen (Thyreoiditis), die eine zügige Behandlung mit Kortikosteroiden oder immunsuppressiven Medikamenten erfordern.

Häufige Fragen

Ist eine biologische Therapie dasselbe wie eine Immuntherapie?

Die Immuntherapie ist ein wesentlicher Teilbereich der biologischen Therapie. Jede Immuntherapie zählt zu den biologischen Therapien, da sie biologische Moleküle nutzt, um das Immunsystem zu beeinflussen. Es gibt jedoch auch biologische Therapien – wie etwa angiogenesehemmende Wirkstoffe, die dem Tumor die Blutversorgung entziehen –, die die körpereigene Immunabwehr nicht direkt stimulieren.

Welche typischen Nebenwirkungen haben biologische Therapien?

Die Nebenwirkungen hängen vom jeweiligen Medikament ab, umfassen jedoch häufig Abgeschlagenheit (Fatigue), Fieber, grippeähnliche Symptome, Hautausschläge und Übelkeit. Da viele dieser Substanzen das Immunsystem stimulieren, können Entzündungsreaktionen in gesunden Organen wie Lunge, Darm oder Leber auftreten, was eine sorgfältige ärztliche Überwachung erfordert.

Wie werden biologische Therapien verabreicht?

Die meisten biologischen Therapien werden als intravenöse Infusion in der Klinik oder Praxis verabreicht. Andere werden als subkutane Injektion unter die Haut gespritzt, und ausgewählte zielgerichtete biologische Wirkstoffe stehen als Kapseln oder Tabletten zur Verfügung, die unter ärztlicher Aufsicht zu Hause eingenommen werden können.

Quellen

  1. 1.Biological Therapies for CancerNational Cancer Institute
  2. 2.Understanding ImmunotherapyAmerican Society of Clinical Oncology
  3. 3.Immunotherapy in OncologyEuropean Society for Medical Oncology
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