Einfach erklärt
Stellen Sie sich HER2-Rezeptoren wie kleine Empfangsantennen auf der Außenseite Ihrer Zellen vor, die auf Signale warten, die der Zelle befehlen, sich zu teilen und zu vermehren. Gesunde Zellen verfügen über eine überschaubare Anzahl dieser Antennen. Manche Krebszellen bilden jedoch Tausende zusätzlicher Antennen auf ihrer Oberfläche aus. Durch diese Überladung empfängt die Zelle ununterbrochen Signale für schnelles Wachstum. Die ermutigende Nachricht ist, dass diese vielen Antennen den Tumor für moderne zielgerichtete Medikamente gut erkennbar machen; diese docken an die Rezeptoren an und schalten die Wachstumsbefehle gezielt ab.
Das Wichtigste
- HER2 ist ein Proteinrezeptor, der Zellwachstum und Zellteilung mitsteuert.
- Eine Genamplifikation führt zur Überexpression von HER2 und treibt aggressives Tumorwachstum an.
- HER2-positive Tumoren sprechen sehr gut auf moderne zielgerichtete Therapien an.
- Biopsieproben werden routinemäßig mittels Immunhistochemie (IHC) und FISH untersucht.
Definition
Der humane epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 (HER2), kodiert durch das ERBB2-Gen, ist eine transmembrane Rezeptor-Tyrosinkinase aus der EGFR-Familie. Unter physiologischen Bedingungen ist HER2 an komplexen Signalkaskaden beteiligt, die Zellproliferation, Überleben und Differenzierung vermitteln. Er besitzt keine eigene direkte Ligandenbindungsdomäne, sondern aktiviert nachgeschaltete Signalwege wie PI3K/Akt und MAPK durch Heterodimerisierung mit anderen, ligandenbeladenen Mitgliedern der ERBB-Familie.
In manchen Tumoren führt eine Amplifikation des ERBB2-Gens zu einer ausgeprägten Überexpression des HER2-Proteins auf der Zelloberfläche. Diese dauerhafte Aktivierung löst ein ungebremstes Zellwachstum, Apoptoseresistenz und gesteigerte Angiogenese aus, was klinisch als aggressiver Subtyp namens HER2-positiver Krebs definiert wird.
Warum es wichtig ist
Die Bestimmung des HER2-Status ist ein unverzichtbarer erster Schritt bei der Stadieneinteilung und Therapieplanung relevanter Tumoren. Historisch waren HER2-positive Karzinome aufgrund ihres schnellen Wachstums mit einer ungünstigeren Prognose verbunden. Heute verändert der Nachweis einer HER2-Überexpression die gesamte Therapiestrategie grundlegend. Er ermöglicht es Onkologinnen und Onkologen, hochwirksame zielgerichtete Therapien einzusetzen, die gezielt HER2-tragende Zellen angreifen und gesundes Gewebe weitgehend schonen, was das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben deutlich verbessert hat.
Verwandte Biomarker und Tests
Der HER2-Status wird an Gewebeproben bestimmt, die durch eine Biopsie oder eine Operation gewonnen wurden. Der erste Schritt ist meist die Immunhistochemie (IHC), bei der die Färbeintensität des HER2-Proteins mit Werten von 0 (negativ) bis 3+ (positiv) bewertet wird. Ein Score von 2+ gilt als unklar bzw. grenzwertig und erfordert eine Reflex-Testung mittels In-situ-Hybridisierung, etwa der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH), um nachzuweisen, ob das ERBB2-Gen selbst in den Zellkernen des Tumors amplifiziert vorliegt.
Verwandte Krebsarten
Die HER2-Testung gehört beim Mammakarzinom zur klinischen Routine; dort sind etwa 15 bis 20 Prozent der Fälle HER2-positiv. Ebenso wird sie standardmäßig bei gastroösophagealen Adenokarzinomen durchgeführt, einschließlich Magenkrebs und Karzinomen des gastroösophagealen Übergangs. Zunehmend untersuchen Behandelnde den HER2-Status auch bei ausgewählten Fällen von Darmkrebs, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, Speicheldrüsenkarzinomen und Gallengangstumoren.
Verwandte Behandlungen
Die Bestätigung einer HER2-Positivität eröffnet den Zugang zu zielgerichteten Therapien. Monoklonale Antikörper wie Trastuzumab und Pertuzumab binden an den äußeren Teil des Rezeptors, unterbrechen die Signalübertragung und markieren die Tumorzellen für den Abbau durch das Immunsystem. Antikörper-Wirkstoff-Konjugate schleusen zellabtötende Substanzen zielgerichtet in HER2-exprimierende Zellen ein. Kleinmolekulare Tyrosinkinase-Inhibitoren (wie Tucatinib oder Lapatinib) blockieren die Signalübertragung aus dem Zellinneren. Neuere Therapien kommen zudem Patientinnen und Patienten zugute, deren Tumoren als „HER2-low“ eingestuft werden.
Häufige Fragen
Was bedeutet eine HER2-positive Diagnose für meine Prognose?
Obwohl HER2-positive Tumoren tendenziell schneller wachsen als HER2-negative, sprechen sie sehr gut auf moderne zielgerichtete Medikamente an. Die Entwicklung HER2-gerichteter Therapien hat die Behandlungsergebnisse maßgeblich verbessert, sodass viele HER2-positive Krebserkrankungen heute sehr gut behandelbar sind.
Was bedeutet die Einstufung als HER2-low?
HER2-low beschreibt Tumoren, die eine geringe Menge an HER2-Protein auf ihrer Zelloberfläche tragen, aber nicht die Kriterien für eine klassische HER2-Positivität erfüllen. Bestimmte neuere Antikörper-Wirkstoff-Konjugate haben sich auch bei Krebserkrankungen in dieser Kategorie als wirksam erwiesen.
Kann sich der HER2-Status im Laufe der Zeit ändern?
Ja. Die Tumorbiologie kann sich im Laufe der Erkrankung verändern oder sich zwischen dem Primärtumor und Tochtergeschwülsten (Metastasen) unterscheiden. Wenn Krebs zurückkehrt oder streut, entnehmen Ärztinnen und Ärzte häufig erneut eine Gewebeprobe, um den HER2-Status vor der nächsten Therapiewahl erneut zu überprüfen.
Quellen
- 1.HER2-positiver Brustkrebs— National Cancer Institute
- 2.HER2-Status in der Krebsversorgung— American Society of Clinical Oncology
- 3.HER2-gerichtete Therapien in der klinischen Praxis— European Society for Medical Oncology

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Zuletzt geprüft 1. August 2026
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