Medizinisches Glossar

Leukämie — Krebserkrankungen des Blutes und des Knochenmarks

Die Leukämie ist eine Gruppe hämatologischer Krebserkrankungen, die ihren Ursprung in den blutbildenden Geweben haben, vor allem im schwammartigen Inneren der Knochen, dem Knochenmark. Sie führt zu einer unkontrollierten Vermehrung abnormer, funktionsuntüchtiger weißer Blutzellen, die gesunde Blutzellen nach und nach verdrängen und die Fähigkeit des Körpers einschränken, Infektionen abzuwehren, Sauerstoff zu transportieren und Blutungen zu stillen.

4 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Eine Leukämie ist eine Krebserkrankung des Blutes und des Knochenmarks. Anstatt gesunde, funktionstüchtige Blutzellen zu bilden, produziert das Knochenmark große Mengen fehlerhafter weißer Blutkörperchen, die Infektionen nicht wirksam bekämpfen können. Während sich diese defekten Zellen vermehren, verdrängen sie normale rote Blutkörperchen und Blutplättchen. Dieser Mangel erklärt typische Symptome wie ausgeprägte Abgeschlagenheit, wiederkehrende Infekte, Neigung zu blauen Flecken und unerwartete Blutungen. Die Behandlung hängt maßgeblich davon ab, ob die Leukämie schnell wachsend (akut) oder langsam wachsend (chronisch) ist und welche Blutzellart genau betroffen ist.

Das Wichtigste

  • Geht vom Knochenmark aus und beeinträchtigt die Bildung funktionstüchtiger Blutzellen.
  • Wird anhand der Zellreihe (myeloisch/lymphatisch) und des Verlaufs (akut/chronisch) in vier Hauptformen unterteilt.
  • Wird durch periphere Blutanalysen und eine Knochenmarkbiopsie abschließend diagnostiziert.
  • Moderne zielgerichtete Therapien haben die langfristigen Überlebensraten maßgeblich verbessert.

Definition

Eine Leukämie entsteht, wenn Mutationen in hämatopoetischen Stammzellen oder Vorläuferzellen die normale Reifung der Blutzellen stören. Unter gesunden Bedingungen bildet das Knochenmark ein ausgewogenes Verhältnis von roten Blutkörperchen, Blutplättchen und weißen Blutkörperchen. Bei einer Leukämie blockieren genetische oder epigenetische Defekte die zelluläre Differenzierung, wodurch die Zellen in einem unreifen Blastenstadium verharren oder eine ungehemmte Anhäufung reif erscheinender, aber funktionell defekter Leukozyten ausgelöst wird.

Diese bösartigen Erkrankungen werden entlang zweier Achsen in vier Hauptsubtypen eingeteilt: nach dem Verlaufstempo (akut versus chronisch) und nach der Zelllinie (myeloisch versus lymphatisch). Die akute myeloische Leukämie (AML) und die akute lymphatische Leukämie (ALL) schreiten rasch voran und erfordern eine sofortige medizinische Behandlung. Die chronische myeloische Leukämie (CML) und die chronische lymphatische Leukämie (CLL) entwickeln sich dagegen schleichender und bleiben in ihren Anfangsphasen oft symptomlos.

Warum es wichtig ist

Da Leukämiezellen im gesamten Gefäßsystem zirkulieren, bilden sie keine soliden Tumoren und gelten von Beginn an als systemische Erkrankung. Eine frühe Diagnose ist lebenswichtig, insbesondere bei akuten Leukämien, bei denen sich die Symptome innerhalb weniger Tage drastisch verschlimmern können. Die genaue zytogenetische und molekulare Einordnung der Leukämie leitet die zielgerichteten Therapiemaßnahmen direkt an. Dank der modernen Präzisionsmedizin können Onkologinnen und Onkologen spezifische genetische Veränderungen heute mit maßgeschneiderten Wirkstoffen behandeln und so einst tödliche Formen in beherrschbare oder heilbare Erkrankungen verwandeln.

Verwandte Biomarker und Tests

Die initiale Diagnostik beginnt mit einem großen Blutbild und einem peripheren Blutausstrich, die abnorme Zellzahlen und zirkulierende Blasten aufdecken. Eine Knochenmarkaspiration und Trepanationsbiopsie liefern das definitive Gewebe für die Diagnose. Die Proben werden mittels Durchflusszytometrie zur Immunphänotypisierung sowie mittels zytogenetischer Karyotypisierung und molekularer Tests (wie PCR oder Next-Generation-Sequencing) analysiert, um genetische Veränderungen wie das Philadelphia-Chromosom (BCR-ABL1), FLT3-, NPM1- oder TP53-Mutationen nachzuweisen.

Verwandte Krebsarten

Die Leukämie umfasst mehrere eigenständige klinische Krankheitsbilder: akute myeloische Leukämie (AML), akute lymphatische Leukämie (ALL), chronische lymphatische Leukämie (CLL) und chronische myeloische Leukämie (CML). Zu selteneren Varianten gehören die Haarzellleukämie, die akute Promyelozytenleukämie (APL) und die Prolymphozytenleukämie. Zudem kann sich eine Leukämie als sekundäre, therapieassoziierte myeloische Neoplasie infolge einer früheren Chemotherapie oder Bestrahlung entwickeln.

Verwandte Behandlungen

Die Behandlung unterscheidet sich je nach Subtyp grundlegend. Akute Leukämien erfordern üblicherweise eine intensive, mehrteilige Induktionschemotherapie, gefolgt von einer Konsolidierungstherapie oder einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation. Chronische Leukämien sprechen häufig auf zielgerichtete orale Therapien an, wie etwa Tyrosinkinaseinhibitoren (z. B. Imatinib) bei CML oder Bruton-Tyrosinkinase-(BTK)-Inhibitoren (z. B. Ibrutinib) und BCL-2-Antagonisten (z. B. Venetoclax) bei CLL. Immuntherapien, einschließlich bispezifischer Antikörper und CAR-T-Zell-Therapien, nehmen einen zentralen Stellenwert bei rezidivierter ALL ein.

Häufige Fragen

Welches sind typische Warnzeichen einer Leukämie?

Da Leukämiezellen normale Blutzellen verdrängen, spiegeln die Symptome typischerweise den Mangel an gesunden Blutzellen wider. Häufige Anzeichen sind ausgeprägte Erschöpfung, Blässe infolge von Blutarmut (Anämie), hartnäckige oder schwere Infektionen, unerklärliches Fieber, Nachtschweiß, leichte Hämatombildung, winzige rote Hautblutungen (Petechien) und wiederholtes Nasen- oder Zahnfleischbluten.

Ist Leukämie eine Erbkrankheit, die in Familien weitergegeben wird?

Die meisten Leukämien sind nicht erblich. Sie entstehen in der Regel durch im Laufe des Lebens erworbene genetische Mutationen in den blutbildenden Zellen, ausgelöst durch Umwelteinflüsse, Alterungsprozesse oder zufällige zelluläre Fehler. Seltene angeborene Syndrome wie das Down-Syndrom oder das Li-Fraumeni-Syndrom können jedoch die grundlegende Anfälligkeit für Leukämien erhöhen.

Wie unterscheidet sich eine chronische von einer akuten Leukämie?

Eine akute Leukämie ist durch eine rasche Anhäufung unreifer, funktionsunfähiger Blasten gekennzeichnet, die sich schnell vermehren, zu einem raschen Einsetzen von Symptomen führen und sofortiges ärztliches Handeln erfordern. Bei einer chronischen Leukämie sammeln sich reifer erscheinende Zellen über Monate oder Jahre hinweg langsam an; sie wird daher oft zufällig bei Routineblutuntersuchungen entdeckt, ohne zunächst spürbare Beschwerden zu verursachen.

Quellen

  1. 1.Leukämie: Diagnose, Subtypen und BehandlungNational Cancer Institute
  2. 2.Leitfaden zum Management von LeukämienAmerican Society of Clinical Oncology
  3. 3.WHO-Klassifikation hämatolymphoider TumorenWorld Health Organization
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