Einfach erklärt
Eine Sepsis ist eine extreme und gefährliche Reaktion des körpereigenen Immunsystems auf eine bestehende Infektion. Anstatt die Infektion nur lokal am Entstehungsort abzuwehren, schüttet der Körper massenhaft Botenstoffe aus, die weitreichende Entzündungen auslösen und gesundes Gewebe schädigen. Der Blutdruck kann drastisch absinken, sodass lebenswichtige Organe wie Nieren, Herz und Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Bei Krebspatienten, deren Blutwerte durch die Therapie oft geschwächt sind, kann sich eine Sepsis rasant entwickeln und erfordert eine sofortige Notfallbehandlung im Krankenhaus mit intravenösen Antibiotika und Infusionen.
Das Wichtigste
- Eine Sepsis ist ein medizinischer Notfall, der eine sofortige Behandlung im Krankenhaus erfordert.
- Neutropenische Krebspatienten können sich von milden Symptomen extrem schnell zu einer schweren Sepsis entwickeln.
- Fieber während einer Chemotherapie gilt als Sepsisverdacht, bis das Gegenteil bewiesen ist.
- Die rasche Gabe intravenöser Antibiotika verbessert die Überlebenschancen maßgeblich.
- Zu den Symptomen zählen Schüttelfrost, Fieber, schneller Puls, Verwirrtheit und extreme Abgeschlagenheit.
Definition
Unter normalen Umständen setzt das Immunsystem Botenstoffe in die Blutbahn frei, um lokale Infektionen zu bekämpfen. Eine Sepsis entsteht, wenn diese Entzündungsreaktion außer Kontrolle gerät und eine systemische Entzündung, Mikrothrombosen und eine gesteigerte Gefäßdurchlässigkeit im gesamten Gefäßsystem auslöst.
Ohne rasche medizinische Behandlung beeinträchtigt diese Kaskade die Durchblutung lebenswichtiger Organe, was zu Gewebshypoxie, akutem Organversagen und einem septischen Schock führen kann – einer schweren Sonderform, die durch massiven Blutdruckabfall gekennzeichnet ist. Bei Krebspatienten beschleunigt eine Neutropenie (ein gravierender Mangel an infektionsbekämpfenden neutrophilen Granulozyten) diesen Verlauf erheblich.
Warum es wichtig ist
Die Sepsis stellt einen der bedrohlichsten onkologischen Notfälle dar. Durch die therapiebedingte Knochenmarksuppression fehlen bei Krebspatienten oft klassische Entzündungszeichen wie Eiterbildung oder lokale Rötungen; leichtes Fieber oder plötzliche Verwirrtheit können die einzigen Warnzeichen sein.
Das Erkennen früher Warnzeichen – darunter Schüttelfrost, Herzrasen, Atemnot und Temperaturspitzen – ermöglicht die unverzügliche Gabe von Antibiotika. Jede Stunde Verzögerung bei der Behandlung einer Sepsis erhöht das Sterberisiko, weshalb das sofortige Melden von Infektionsanzeichen für die Patientensicherheit überlebenswichtig ist.
Verwandte Biomarker und Tests
Die Schnelldiagnostik umfasst das Screening auf Kriterien des Systemischen Inflammatorischen Response-Syndroms (SIRS) oder qSOFA. Zu den wichtigsten Labortests gehören ein Notfall-Blutbild (zum Nachweis einer Neutropenie), Blutkulturen aus peripheren Venen und Kathetersystemen, die Bestimmung von Serumlaktat (als Marker für Gewebeunterperfusion), C-reaktives Protein (CRP) sowie umfassende Stoffwechsel- und Organwerte zur Beurteilung von Nieren- und Leberfunktion.
Verwandte Krebsarten
Eine Sepsis kann als Komplikation bei jeder Krebserkrankung auftreten, das Risiko ist jedoch bei hämatologischen Neoplasien wie der akuten myeloischen Leukämie, Non-Hodgkin-Lymphomen und dem multiplen Myelom am höchsten. Ebenso häufig betrifft sie Patientinnen und Patienten, die intensive myelosuppressive Chemotherapien gegen solide Tumoren (z. B. Lungen-, Eierstock- oder Magen-Darm-Krebs) erhalten oder die über einen zentralen Venenkatheter versorgt werden.
Verwandte Behandlungen
Eine Sepsis erfordert unverzügliches Notfallhandeln nach standardisierten Leitlinien („Sepsis-Bundle“). Ärztinnen und Ärzte verabreichen sofort empirische intravenöse Breitbandantibiotika, eine intensive Flüssigkeitstherapie und Sauerstoff. Bei Entwicklung eines septischen Schocks kommen Vasopressoren wie noradrenaline zum Einsatz. Bei neutropenischen Patientinnen und Patienten können Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktoren (G-CSF) verabreicht werden, um die Bildung weißer Blutkörperchen anzuregen.
Häufige Fragen
Ab welcher Temperatur spricht man während einer Krebstherapie von Fieber?
In der Regel erfordert ein einmaliger oraler Messwert von 38,0 °C oder höher bzw. eine anhaltende Temperatur von 37,5 °C über eine Stunde eine sofortige ärztliche Abklärung. Wenden Sie sich umgehend an Ihre 24-Stunden-Notfall-Hotline, da neutropenisches Fieber unter Chemotherapie das frühe Zeichen einer Sepsis sein kann.
Kann eine Sepsis auch ohne Fieber auftreten?
Ja. Obwohl Fieber typisch ist, können manche Betroffene – insbesondere ältere oder stark immungeschwächte Personen – stattdessen eine gefährlich niedrige Körpertemperatur (Hypothermie, unter 36,0 °C), plötzliche Verwirrtheit, extreme Schwäche oder unkontrollierbaren Schüttelfrost entwickeln. Jedes dieser Symptome muss als Notfall abgeklärt werden.
Verzögert eine Sepsis meine geplanten Chemotherapiezyklen?
Ja, Onkologinnen und Onkologen pausieren die Chemotherapie gewöhnlich, bis die Infektion vollständig abgeklungen ist, sich die Organfunktionen normalisiert haben und die Zahl der weißen Blutkörperchen wieder angestiegen ist. Ihr Behandlungsteam kann anschließend Dosisanpassungen vornehmen oder vorbeugende G-CSF-Injektionen anordnen, um Sie bei künftigen Zyklen zu schützen.
Quellen
- 1.Sepsis— World Health Organization
- 2.Infektionen bei Menschen mit Krebs— American Society of Clinical Oncology (Cancer.Net)
- 3.Behandlung der febrilen Neutropenie: ESMO-Leitlinien für die klinische Praxis— European Society for Medical Oncology

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Zuletzt geprüft 1. August 2026
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