Medizinisches Glossar

CAR-T-Zell-Therapie — Zelluläre Immuntherapie

Die chimäre Antigenrezeptor-T-Zell-Therapie (CAR-T-Zell-Therapie) ist eine hochmoderne Form der personalisierten zellulären Immuntherapie. Dabei werden körpereigene T-Lymphozyten der Patientin oder des Patienten in einem Speziallabor gentechnisch so verändert, dass sie synthetische Rezeptoren auf ihrer Oberfläche tragen. Dies befähigt die Abwehrzellen, bösartige Zellen anhand bestimmter Zielantigene aufzuspüren und gezielt zu zerstören.

4 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Die CAR-T-Zell-Therapie ist eine wegweisende Behandlungsmethode, die das körpereigene Immunsystem in ein hochpräzises Werkzeug gegen Krebs verwandelt. Ärztinnen und Ärzte entnehmen Ihrem Blut Abwehrzellen (sogenannte T-Zellen) und senden sie an ein Speziallabor. Dort werden sie gentechnisch mit Erkennungsstrukturen („chimären Antigenrezeptoren“) ausgestattet, die wie molekulare Suchköpfe exakt an bestimmte Eiweiße auf den Krebszellen andocken. Nachdem diese veränderten Zellen millionenfach vermehrt und Ihnen über eine Infusion zurückgegeben wurden, spüren sie die Krebszellen im gesamten Körper auf und zerstören sie.

Das Wichtigste

  • Programmiert körpereigene T-Zellen gentechnisch so um, dass sie Krebszellen gezielt aufspüren und attackieren.
  • Wird als einmalige intravenöse Infusion nach einer vorbereitenden Chemotherapie verabreicht.
  • Hauptsächlich zugelassen für wiederkehrende oder therapierefraktäre Blut- und Lymphdrüsenkrebserkrankungen.
  • Erfordert eine engmaschige stationäre Überwachung bezüglich spezifischer Reaktionen wie dem Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS).

Definition

Die CAR-T-Zell-Therapie verbindet Prinzipien des adoptiven Zelltransfers mit Methoden der Gentechnik. Zunächst werden einkernige Zellen des peripheren Blutes mittels Leukapherese aus dem Blutkreislauf gewonnen. In einer spezialisierten Produktionsstätte bringen virale Vektoren veränderten genetischen Code in die patienteneigenen T-Zellen ein, sodass diese chimäre Antigenrezeptoren ausbilden. Diese bestehen aus einer antikörperbasierten Bindungsdomäne auf der Zellaußenseite und Signaldomänen im Zellinneren.

Nach einer vorbereitenden, lymphozytendepletierenden Chemotherapie werden die veränderten CAR-T-Zellen als Infusion zurückgegeben. Im Blutkreislauf binden sie spezifisch an ihr jeweiliges Zielantigen – unabhängig von der klassischen Antigenpräsentation über den Haupthistokompatibilitätskomplex (MHC). Diese Bindung löst ein starkes intrazelluläres Signal aus, das zum zytotoxischen Zerfall der Krebszelle, zur Freisetzung von Zytokinen und zu einer schnellen Vermehrung der tumorspezifischen T-Zellen führt.

Warum es wichtig ist

Die CAR-T-Zell-Therapie eröffnet neue Behandlungsperspektiven für Patientinnen und Patienten mit Blutkrebserkrankungen, bei denen die Erkrankung nach Standardtherapien wie einer Chemotherapie oder Stammzelltransplantation zurückgekehrt ist oder nicht darauf angesprochen hat. Es handelt sich um ein hochkomplexes, lebendes Arzneimittel, das einmalig verabreicht wird und spezialisierten Zentren vorbehalten ist. Eine umfassende Aufklärung hilft Betroffenen und Angehörigen, die Abläufe der Zellgewinnung, die Wartezeiten bis zur Fertigstellung und die engmaschige stationäre Betreuung zur Beherrschung möglicher Immunreaktionen zu verstehen.

Verwandte Biomarker und Tests

Voraussetzung für die Behandlung ist der Nachweis des Zielantigens auf den bösartigen Zellen mittels Immunhistochemie oder Durchflusszytometrie – zumeist CD19 bei Lymphomen und Leukämien oder das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) beim multiplen Myelom. Nach der Infusion erfolgt eine kontinuierliche Überwachung mittels Blutbildern, quantitativer Polymerase-Kettenreaktion (qPCR) oder Durchflusszytometrie zur Bestimmung der CAR-T-Zell-Zahl sowie engmaschigen Kontrollen von Entzündungswerten (wie IL-6, Ferritin und CRP), um immunologische Reaktionen frühzeitig zu erkennen.

Verwandte Krebsarten

Die CAR-T-Zell-Therapie ist vor allem für bösartige Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems zugelassen. Sie wird intensiv bei rezidivierter oder refraktärer B-Zell-akuter lymphoblastischer Leukämie (B-ALL), diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), follikulärem Lymphom, Mantelzelllymphom und multiplem Myelom eingesetzt. In klinischen Studien wird zudem intensiv erforscht, wie CAR-T-Zellen auf Zielstrukturen solider Tumoren ausgeweitet werden können.

Verwandte Behandlungen

Vor der Zellgabe erhalten Patientinnen und Patienten eine kurze vorbereitende Chemotherapie (Konditionierung, meist mit fludarabine und cyclophosphamide), um bestehende Lymphozyten zu reduzieren und Raum für die Vermehrung der CAR-T-Zellen zu schaffen. Nach der Infusion werden die Behandelten engmaschig auf charakteristische Komplikationen hin überwacht: das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) und das Immuneffektorzell-assoziierte Neurotoxizitätssyndrom (ICANS). Für deren Behandlung stehen standardisierte Protokolle bereit, zu denen vor allem der IL-6-Rezeptor-Antagonist tocilizumab und hochdosierte Kortikosteroide gehören.

Häufige Fragen

Was ist das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS)?

Das Zytokin-Freisetzungssyndrom ist eine ausgeprägte Entzündungsreaktion des gesamten Körpers, die entsteht, wenn sich die infundierten CAR-T-Zellen massiv vermehren und große Mengen an Botenstoffen (Zytokinen) ins Blut abgeben. Die Symptome reichen von leichtem Fieber und Schüttelfrost wie bei einer Grippe bis hin zu starkem Blutdruckabfall und Sauerstoffmangel. Das Behandlungsteam behandelt ein CRS gezielt mit intensivmedizinischer Überwachung und Medikamenten wie tocilizumab.

Wie lange dauert die Herstellung der CAR-T-Zellen?

Der Herstellungsprozess nimmt in der Regel etwa zwei bis vier Wochen in Anspruch. In dieser Zeitspanne werden die entnommenen T-Zellen im Speziallabor gentechnisch verändert, millionenfach vermehrt und strengen Qualitäts- sowie Sterilitätsprüfungen unterzogen. Zur Überbrückung der Wartezeit kann das Behandlungsteam eine kurzzeitige Übergangstherapie („Bridging-Therapie“) einsetzen, um die Erkrankung stabil zu halten.

Wird die CAR-T-Zell-Therapie auch bei soliden Tumoren wie Brust- oder Lungenkrebs angewendet?

Gegenwärtig sind CAR-T-Zell-Therapien nur für bösartige Blut- und Lymphdrüsenerkrankungen zugelassen, da es bei soliden Tumoren ungleich schwieriger ist, einheitliche und sichere Zielstrukturen zu finden. Zudem weisen solide Tumoren eine dichte, immunhemmende Mikroumgebung auf, die das Eindringen und die Funktion der T-Zellen erschwert. Zahlreiche klinische Studien untersuchen jedoch neuartige CAR-Konzepte, um diese Hürden auch bei soliden Tumoren zu überwinden.

Quellen

  1. 1.CAR-T-Zellen: Patienteneigene Abwehrzellen zur Krebsbehandlung gentechnisch verändernNational Cancer Institute
  2. 2.CAR-T-Zell-Therapie verstehenAmerican Society of Clinical Oncology
  3. 3.ESMO-Leitlinie für die klinische Praxis zur zellulären ImmuntherapieEuropean Society for Medical Oncology
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