Medizinisches Glossar

Myelom — Blutkrebs der Plasmazellen

Das Myelom, häufig als multiples Myelom bezeichnet, ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems, die ihren Ursprung in Plasmazellen hat – einer spezialisierten Form weißer Blutkörperchen im Knochenmark. Diese bösartigen Zellen vermehren sich unkontrolliert, verdrängen die gesunde Blutbildung, schütten abnorme Antikörper aus und führen zu fortschreitendem Knochenabbau, Nierenfunktionsstörungen und systemischen Komplikationen.

4 Min. LesezeitZuletzt geprüft 1. August 2026Medizinisch geprüft von: GetOnco Medical Review Team

Einfach erklärt

Das Myelom ist eine Krebserkrankung der Plasmazellen, die sich normalerweise im Knochenmark befinden und Antikörper zur Abwehr alltäglicher Infektionen bilden. Wenn Plasmazellen bösartig werden, verdrängen sie das gesunde Knochenmark, was zu Blutarmut, Erschöpfung und wiederkehrenden Infektionen führt. Diese abnormen Zellen produzieren außerdem ein funktionsloses Eiweiß namens Paraprotein, das die Filter der Nieren schädigen kann. Gleichzeitig greifen Myelomzellen in die gesunde Knochenregeneration ein, wodurch poröse, geschwächte Stellen entstehen, die schmerzen oder leicht brechen. Da die Erkrankung typischerweise an mehreren Stellen des Skeletts im gesamten Körper auftritt, wird sie meist als multiples Myelom bezeichnet.

Das Wichtigste

  • Das Myelom entsteht aus antikörperproduzierenden Plasmazellen im Knochenmark.
  • Die klassischen Diagnosekriterien werden mit dem Akronym CRAB abgekürzt: Calcium, Nieren (Renal), Anämie, Knochen (Bone).
  • Abnorme Antikörperfragmente, sogenannte Paraproteine oder freie Leichtketten, können die Nieren schädigen.
  • Moderne Therapiekombinationen ermöglichen langanhaltende Remissionen und eine dauerhafte Krankheitskontrolle.

Definition

Plasmazellen sind ein wesentlicher Bestandteil des Immunsystems; im Normalfall bilden sie zielgerichtete Immunglobuline, um bakterielle und virale Infektionen abzuwehren. Beim Myelom entartet eine einzelne Plasmazelle bösartig und kloniert sich immer wieder innerhalb der Knochenmarkhöhle. Indem sich diese abnormen Myelomzellen anreichern, verdrängen sie die normalen blutbildenden Stammzellen, was die Produktion roter Blutkörperchen, weißer Blutkörperchen und Blutplättchen beeinträchtigt.

Darüber hinaus produzieren die bösartigen Plasmazellen übermäßige Mengen eines unvollständigen, funktionslosen monoklonalen Immunglobulins, das als M-Protein oder Paraprotein bezeichnet wird. Dieses Paraprotein sammelt sich im Blutkreislauf an und wird über die Nieren filtriert, was häufig zu einer Nierenfunktionsstörung führt. Die Krebszellen stören zudem den normalen Knochenumbau, indem sie Osteoklasten aktivieren, die Knochengewebe abbauen, und gleichzeitig Osteoblasten hemmen; die Folge sind schmerzhafte osteolytische Läsionen und pathologische Frakturen.

Warum es wichtig ist

Ein gutes Verständnis des Myeloms hilft Patientinnen und Patienten, mit einer Erkrankung umzugehen, die durch den Wechsel von aktiven Behandlungsphasen und Phasen des Stillstands (Remissionen) gekennzeichnet ist. Da ein Myelom mit herkömmlichen Therapien nur selten vollständig geheilt werden kann, liegt der klinische Schwerpunkt darauf, eine tiefe, langanhaltende Krankheitskontrolle zu erreichen und gleichzeitig die Organfunktion sowie die Lebensqualität zu bewahren. Das Erkennen der klassischen CRAB-Kriterien – Hyperkalzämie, Niereninsuffizienz, Anämie und Knochenläsionen – befähigt Betroffene, Symptome frühzeitig zu melden. So kann die lebenswichtige Nierengesundheit geschützt und schwächenden Skelettschäden durch rasches medizinisches Eingreifen vorgebeugt werden.

Verwandte Biomarker und Tests

Die Diagnose eines Myeloms erfordert die Untersuchung von Knochenmarkbiopsien, um das Ausmaß des klonalen Plasmazellbefalls zu bestimmen. Serum- und Urineiweißelektrophoresen (SPEP/UPEP) weisen Paraproteinspiegel nach und überwachen diese, ergänzt durch Bestimmungen der freien Leichtketten im Serum (sFLC). Ganzkörper-Niedrigdosis-Computertomographien (CT), Magnetresonanztomographien (MRT) oder PET-CT-Scans identifizieren osteolytische Knochenläsionen. Im Rahmen der Basisdiagnostik werden routinemäßig Calcium-, Kreatinin- und Hämoglobinwerte im Blut überwacht.

Verwandte Krebsarten

Das Myelom ist eine eigenständige hämatologische Neoplasie und wird den Plasmazellerkrankungen zugeordnet. Zu den verwandten Erkrankungen dieses Spektrums gehören die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS), ein beschwerdefreies Vorstadium, und das Smoldering Multiple Myeloma (SMM), das ein erhöhtes Progressionsrisiko aufweist. Es ist eng mit anderen Plasmazellstörungen wie dem solitären Plasmozytom, der AL-Amyloidose und dem POEMS-Syndrom verwandt.

Verwandte Behandlungen

Die Behandlung des Myeloms hat erhebliche Fortschritte gemacht und stützt sich heute auf Kombinationstherapien anstelle einer reinen Chemotherapie. Zu den Standardtherapien gehören Proteasom-Inhibitoren (z. B. Bortezomib), immunmodulierende Substanzen (z. B. Lenalidomid), monoklonale Antikörper (z. B. Daratumumab) und Kortikosteroide. Geeignete Patientinnen und Patienten erhalten häufig eine autologe Stammzelltransplantation. Bei einem Rückfall können innovative Therapien wie bispezifische T-Zell-Engager-Antikörper oder chimäre Antigenrezeptor-T-Zell-Therapien (CAR-T-Zellen) eingesetzt werden.

Häufige Fragen

Ist ein Myelom dasselbe wie Knochenkrebs?

Nein, ein Myelom ist kein primärer Knochenkrebs. Primäre Knochentumoren wie das Osteosarkom entstehen direkt in den Strukturzellen des Knochens. Das Myelom hingegen ist eine Krebserkrankung des Blutes bzw. der Plasmazellen, die sich im Hohlraum des Knochenmarks befinden. Obwohl es häufig die umgebende Knochensubstanz schädigt und schmerzhafte lytische Läsionen hervorruft, wird es als Blutkrebs klassifiziert und behandelt.

Was ist der Unterschied zwischen einer MGUS und einem aktiven Myelom?

Die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) ist eine gutartige, beschwerdefreie Vorstufe mit geringen Mengen an Paraprotein und wenigen Plasmazellen im Knochenmark. Im Gegensatz zum aktiven Myelom führt eine MGUS zu keinen Endorganschäden wie Nierenversagen, Knochenläsionen oder Blutarmut. Eine MGUS erfordert zwar regelmäßige Verlaufskontrollen, rechtfertigt jedoch keine aktive Krebstherapie, solange sie nicht fortschreitet.

Kann ein Myelom dauerhaft geheilt werden?

Derzeit gilt das Myelom bei den meisten Betroffenen als gut behandelbar, jedoch im Allgemeinen als nicht heilbar. Moderne therapeutische Ansätze erzielen jedoch häufig tiefe und langanhaltende Remissionen, die viele Jahre anhalten können. Kontinuierliche Erhaltungstherapien und neuartige Immuntherapien zielen darauf ab, den Krebs wie eine beherrschbare chronische Erkrankung zu kontrollieren und den Patientinnen und Patienten ihre Selbstständigkeit und eine hohe Lebensqualität zu erhalten.

Quellen

  1. 1.Plasmazellneoplasien (einschließlich Multiples Myelom)National Cancer Institute
  2. 2.Multiples Myelom: Leitfaden für Patientinnen und PatientenEuropean Society for Medical Oncology
  3. 3.Multiples Myelom: EinführungAmerican Society of Clinical Oncology (Cancer.Net)
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